Zugedreht

Wenn ich einkaufen will, dann tue ich das meistens auf einen Weg. Wohin? Ist egal – Hauptsache ich muss nicht „nur“ einkaufen.
Dann gibt es auch zwei Läden, die es anzusteuern gilt. Wobei ich selten beide Läden besuche sondern eher entweder oder. Da wäre zum einen der Nichtreal, der ähnlich wie sein Namensvetter nach dem „einmal hin, alles drin“-Prinzip handelt, solange es um Produkte geht, die Billigdiscounter auch haben. Anders als Real also keine Klamotten, Elektrotechnik etc. pp. Dafür ist sein Krabbeltisch meistens deutlich qualitativer. Da bieten die auch einfach mal Messersätze von Zwilling in der oberen Preisklasse an.
Ich mag den Laden, weil der einfach einen gewissen Flair hat. Sein (riesiges) Weinsortiment hat einen Pseudoparkettboden und sieht unheimlich edel aus. Seine Brotwaren versteckt er nicht in einem Ein-Meter-Gang, sondern eher zwanzig Meter gefüllt mit allen Arten an Brot so wie einen kleinen, eigenen Großbäcker, der auch noch frische Brötchen und ähnliche Produkte serviert. Von jeden noch so kleinen Teil hat er mindestens drei verschiedene Anbieter ausgestellt – inklusive der Eigenmarke – und dann natürlich noch den Fleischer. Eine RIESIGE Theke mit Fleisch, Käse und Fisch. Wenn da zwanzig Mann anstehen, fällt das gar nicht auf. Außerdem haben sie einen wunderbaren Brie im Angebot, den man sogar als ganzes Rad erwerben kann. Aber wohl nicht in unseren Kühlschrank passt. Aber sie bieten es an! Und der ist scheiße lecker! Dafür kostet es da halt auch immer ein bisschen mehr. Aber der Service ist mir das Wert. Leider ist der Laden kein Geheimtipp und Freitags und Samstags muss man sich durch ein Meer Menschen wühlen.
Netto liegt dagegen deutlich näher und bekommt wohl seinen Hauptverdienst durch die vier höheren Schulen im direkten Umkreis. Da dort etliche Schüler 18+ sind, ist der Laden zu gewissen Zeiten dringend zu meiden. Leider ist er qualitativ eher ein schlechter Markt. Ich hab im Hochsommer schon mal vor einen leeren Getränkeregal gestanden. Und damit meine ich richtig leer. Nur die hochprozentigen Alkoholgetränke waren noch da, Rest komplett weg. Von Wasser über Limonaden bis Säfte. Alles komplett ausverkauft. Und das darf einfach nicht passieren. Das ist es danach aber noch (mit verschiedenen Gütern) vier oder fünfmal.
Dazu ist die Auswahl sehr eingeschränkt. Beim Kakao haben sie zum Beispiel nur Nesquick – der mir nicht schmeckt. Dennoch ist der Netto der Laden der Wahl, weil man da zumindest die einfachsten Sachen bekommt (in der Regel) und da der beste Pfandrückgabeautomat der Stadt wohnt. Meine ich. Zugegeben war ich noch nicht in vielen Läden um das wirklich einzuschätzen – aber 1 Minuten Fußmarsch und ein schneller Automat sind schwer zu toppen.

Damit sind wir auch schon beim Kern des Themas:
Den Pfand. Den bringe ich immer nur alle paar Wochen weg – den mag ich nämlich nie auf den Weg mitnehmen – lieber dann, wenn ich „nur“ einkaufen gehe. Das heißt da sammeln sich immer ein paar Flaschen an.
So auch am Montag. Da ich eh „nur“ einkaufen musste, habe ich direkt geschaltet und den Pfand mitgenommen.
Was ich wie immer zu spät bedachte – nämlich als ich bereits am Automaten stand – waren die etwas kühleren Temperaturen. Die Weichplastikflaschen verformen sich dann immer so lustig, wenn man nicht vor dem Transport den Deckel auftret. Aber da muss man eben früher dran denken als ich.

Ist auch kein Problem. Keine Schlange hinter mir und ich bin routiniert. Vergesse das nämlich immer. Deckel aufdrehen und in den Automaten werfen dauert etwa eine Sekunde länger als ohne Deckel aufdrehen.

Sonst.
Da Mannmann mich dazu anhält, weniger Zuckerwasser zu trinken, geht der Inhalt des Pfandbeutels fast komplett auf seine Kappe. Mannmann dachte, das eine leere Flasche fest zu gedreht werden muss. Da stand ich also nun und bekam die scheiß verfickte Flasche nicht auf, die wegen ihrer Verformung vom Automaten nicht erkannt werden konnte. Hab es versucht. Die nächsten Flaschen waren auch nicht besser.

Da kam mein Held in schillender Maurererrüstung vorbei. Mensch Marke drei Meter hoch, drei Meter breit und ein Abkömmling von Hulk Hogan und Arnold Schwarnzenegger zu ihren jeweils besten Zeiten. Ein wandelnder Muskelberg, der ob seines Berufs diese auch einsetzen konnte. Ungefähr so stelle ich mir Obelix von den Nussnasen vor. Und den erwähne ich auch nur, weil er rumjammerte, dass ich ihn bisher nur in einem Artikel verwendet hatte!
„Kommse mal her Fräulein!“, sagte er amüsiert. Ich hatte mich ja direkt verliebt. Ich mag es, wenn man mich Fräulein nennt. Ehrlich. Frau finde ich voll doof. Das klingt so alt. Fräulein nach einem jungen Grashüpferdämchen in IHRER besten Zeit. Hätte der nun noch Schnitzel im Einkaufswagen und einen Hund an der Seite gehabt – ich wäre nicht mehr nach Hause gekommen. 😉
Muskelberg nahm mir also die Flasche ab und drehte den Deckel auf. Nicht. Er stutzte und versuchte es etwas fester. Er lief rot an. Hätte ich seine nackten Oberarme sehen können, wären sicher Adern und Sehnen hervorgetreten. Also sind sie bestimmt… aber so hätte ich es sehen können.
Irgendwann machte es knack und die Flasche versetzte sich wieder in ihre angestammte Form.
„Wer hat DIE denn zugedreht?“
„Mein Freund.“
Der sah mich an! Wer weiß, was er sich vorgestellt hat. Bestimmt nicht meine niedliche, kleine Rollkugel, die mein Mannmann ist. Also… im Vergleich zu diesen Berg.
Er half mir noch bei den anderen Flaschen und wir diskutierten, ob das vielleicht durch den Kälteverzug so schwer sei, als ich eine besonders böse verformte Flasche erwischte und die ohne Probleme aufbekam. War eine Schwibbschwabb. Die einzige Schwibbschwabb. Die ich geleert und geschlossen hatte.

Das teilte ich den Muskelberg mit.
„Verhau’n se den mal ordentlich! Die Teile so fest zuzudrehen…“, meine er im Scherz. „Mach ich! Versprochen!“. Da wurde er blass. Seiner Vorstellung nach musste Mannmann ja noch stärker sein als der und ich 1,64 abgebrochener Stock will den Kerl was setzen und sag das auch noch voll selbstbewusst?! Man muss ich Mut haben!

Danach bedankte und verabschiedete ich mich brav, Muskelberg zog weiter (der hatte kein Pfand, keine Schnitzel und auch keinen Hund – nur Lust zu Helfen) und meine Eine zog einen 19,25€-Pfandbon. Nur damit ihr mal eine Vorstellung von der Flaschenanzahl bekommt.

Zu Hause schimpfte ich dann mit Mannmann. Der lachte und meinte, er wäre ein starker Stier! „Doofer Ochse wohl eher!“, sagte ich und ging. Er konnte trotzdem lachen. Ich auch.

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3 Gedanken zu “Zugedreht

  1. Denke, dass das wirklich an der Kälte liegt. Ich bekam vor 3 oder 4 Sonntagen meine letzte Flasche nicht geöffnet, habe den geriffelten Deckel derart fest gegriffen, dass ich mir die Hände blutig gerissen habe. Bin dann laut lachend in den Keller, Deckel in den Schraubstock eingespannt – welch ein Kinderspiel!

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