Tage, die keiner braucht

Ich stellte heute morgen als Erstes fest, dass es furzegal ist, wann ich ins Bett gehe. Vor 12 Uhr wache ich nicht auf. Ich habe diese Nacht mal wieder 12 Stunden geschlafen. Blöder Eulenrhythmus. Geplant war eigentlich irgendwann zwischen 8 und 10 Uhr aufzustehen, um recht früh in den Nichtreal zu kommen, aber dem war dann halt nicht so.

Im Nichtreal stellte ich dann mit vollen Einkaufskorb an der Kasse fest, dass meine Geldkarte nicht da war.
Meine EC-Karte diente bei meiner Bahnfahrt in die Heimat als Identifizierung. Bei Online-Tickets muss man nämlich etwas angeben, dass dem Schaffner zeigt, dass hier die richtige Person fährt. Früher ging das nur mit Kreditkarte und Bahncard, inzwischen auch mit der EC-Karte. Da ich keine Kreditkarte hatte und die Bahncard mit dem Fahrkartenkauf verband, konnte ich nur die EC-Karte angeben. Und um im Zug nicht ewig kramen zu müssen, wenn der Schaffner nicht kommt, aber auch die Geldbörse nicht ständig offen liegen lassen muss, habe ich dann Bahncard, EC-Karte und Fahrkarte in den eReader – bzw. dessen Schutzhülle – gelegt. Das klappt ganz gut, hab ich schon öfter so gemacht.
Als ich dann nach Hause kam, musste ich furchtbar dringend groß auf Klo. Also eReader geschnappt und der Wohnung stinkekräftig gezeigt, dass ich wieder da bin. Die noch in der Hülle befindlichen Karten hatte ich dann einfach auf das Schränkchen gelegt, wo ich meine Toilettenlektüre immer ablege. Nach dem ich fertig war, hab ich DARAUF den Reader gelegt. Und seit dem habe ich nur noch Pokemon auf dem WC gespielt anstatt zu lesen.
Mit anderen Worten: während ich samt Geldbeutel, 20€ Bargeld und einen vollen Einkaufswagen an der Kasse stand, lag meine Geldkarte immer noch im Bad. Freude.

Zum Glück ist das Nichtreal recht kulant. Habe (ohne die Ware aufs Band zu legen) mein Problem erklärt und durfte den Wagen an die Seite stellen, damit ich meine Geldkarte hohlen kann. Also Viertel Stunde schnellsten Fußmarsches wieder nach Hause, mit den Rad (ich wollte nicht nochmal laufen) in Windeseile wieder zurück, die mysteriösen Produkte, die ich NICHT eingepackt (und auch nie einpacken würde) aus den Wagen gelesen und bezahlt. 22€. Ernsthaft. Ich hatte zwar nur einen 20€ Schein dabei aber auch noch 5 – 10€ in Münzen. Entsprechend doof blickten mit die Kassiererinnen auch an. Ich hatte aber nicht wirklich im Kopf mitgerechnet und den Einkauf aufs Doppelte geschätzt. Man sah es mir nach.
Anschließend wieder zu Fuß nach Hause – die Tasche passte zwar in mein Megakörbchen, war aber zu voll, um sicher damit nach Hause zu fahren, ohne etwaige Produkte zu verlieren. Muss ja nicht sein.

Nun bin ich, als ich das erste Mal losgelaufen bin, recht schnell aufgebrochen und habe nur kurz aus dem Fenster geschaut, um das Wetter einzuschätzen, anstatt mal die Wettervorhersage zu konsultieren. Es war bewölkt und recht duster.
Also habe ich meine lederne Übergangsjacke angezogen. Und bei meinen kleinen Rundgang war ich zu gestresst, um die Jacke auszuziehen. Als ich wieder zu Hause ankam, war ich total überhitzt und stand kurz vor einer Ohnmacht. Glücklicherweise war Mannmann zu Hause und konnte mir so recht schnell Wasser einflösen, weil ich mich einfach an der Haustür auf den Hosenboden gesetzt hatte (geplant, aber länger hätte ich nicht mehr stehen können). Nachdem ich meine Körpertemperatur dank Dusche und reichlich Wasser wieder abgesenkt hatte, konnte ich dann meine Tasche auspacken.

Natürlich hatte ich vergessen Mozzarella zu kaufen und natürlich haben wir nur noch einen Klumpen eingefroren. Narf. Nja – gehe ich morgen nochmal ins Netto.

Danach legte ich mich ins Bett, vollkommen erschöpft, und machte späten Mittagsschlaf. Volle 5 Stunden lang. ._.
Na toll!

Aber eine gute Nachricht gab es heute dann trotzdem: durfte heute einen neuen Dauertermin in den Kalender eintragen:

Und ja, der Name bleibt.

Und es hat BATSCH gemacht

Die Bessere hatte gestern nichts besseres zu tun, als mir von den Gericht vorzuschwärmen, dass sie gerade gemacht hat. Da dieses Gericht Wochen zu vor von mir getestet und als „OMG HAMMER GEIL GIMME MEHR!“ befunden wurde, reichlich Tomaten enthält und mit Knoblauch gewürzt wird, saß ich mit sabbernden Mund vorm PC und dachte:
Will auch!
Leider war da die Erkenntnis, dass ich keine einzige Tomate im Haus hatte, von einem Großteil der anderen Zutaten mal abgesehen, die auch nicht da waren UND das ich noch schnell zum Nichtreal laufen müsste, wenn ich das jetzt nachkaufen wollen würde. Zwar gibt es so gesehen alle Zutaten auch immer Netto, allerdings brauchte es Fleischtomaten. Im Netto hatte ich nur die Wahl zwischen Rispen- und Coctailtomaten. Hrmpf.

Also lief ich HEUTE in den Nichtreal, denn gestern war es mir dann schon zu spät und kaufte alles, was es so brauchte. Also 6 Fleischtomaten, 200g feingescheibter Bacon, 2 Becher Saure Sahne, einmal großes Schmand, zweimal Mozzarella und noch hier und da was, was aber für das Gericht nicht sonderlich interessant wäre.

Zu Hause habe ich dann als erstes Reis kochen wollen. Mir fehlt jeglicher Sinn für „Reis ist fertig“ und meist hohle ich ihn zu früh, daher dachte ich mir, bei 30 Minuten vorbereiten und 30 Minuten Backen sollte das reichen.
Gerade als ich das Salz aus dem Gewürzschrank nahm, musste ich so dermaßen niesen, dass sich Reflexartig meine Hand öffnete.

Nachdem ich die halbe Packung Salz vom Boden wieder aufgefegt und weggeworfen hatte, kam ich dann auch dazu das Reiswasser zu salzen. Geht ja schon gut los!

Auch bei den Tomaten hatte ich auch kein Glück. Sie fielen zwar nicht der Schwerkraft zum Opfer, dafür waren die Stängel arg verwachsen, so dass ich relativ viel Fleisch verwerfen musste. Aber gut, sehen tut man das am Ende eh nicht mehr.
Also für die Nachkocher:
Tomaten waschen und den Stängel großflächlich und Trichterförmig ausschneiden, danach schauen, ob noch holzige Teile im Fleisch sind, die sollten auch entfernt werden (stört nicht beim Geschmack, aber beim Kauen).
Dann eine Auflaufform großzügig mit Butter einreiben und den Bacon auslegen. Wer Bacon eher kross mag, sollte den vorher leicht anbraten, ich mags lieber flubberig. 😉 Der Boden sollte möglichst nicht mehr zu sehen sein (okay… kann ruhig, aber dann hat man weniger Bacon! Und es kann niemals zu viel Bacon geben!). Darauf wiederum setzt man dann die Tomaten mit der Öffnung nach oben.

Anschließend werden der Schmand und die Saure Sahne vermischt. Außerdem gibt man noch Petersilie, Bassilikum und Salbei dazu – entweder frisch oder getrocknet oder aus der Tiefkühltruhe. Je nach Vorliebe, Faulheit oder Pragmatismus. Ich find Tiefkühlkräuter nebenbei hammerstark. 😉
Zum Schluss würfelt man noch 3 (große) bis 6 (kleine) Knoblauchzehen und mischt das alles in die Pampe.
Danach kommt Pampe in die Öffnung der Tomaten – daher ist es egal, wie sehr ihr da wütet. Man sieht eh nix!
Was übrig bleibt, wird um die Tomaten herum verteilt. Gibt lecker Soße!
Als Krönung kommt auf jede Tomate und deren Umgebung noch Mozzarella. Für dieses Gericht nehme ich gerne diese kleinen Kügelchen, weil man dann nichts schneiden muss und das Verhältnis der Kügelchen gut zu den Fleischtomaten passt. Etwa 3/4 der Einlegesoße von einer Mozzarella kippe ich dann noch in die Soße mit dazu, um mehr Volumen zu bekommen.

Danach kommt das alles für 25 – 35 Minuten bei 180° Heißluft in den Ofen und fertig sind sie… die Knoblauchtomaten!

Zum Überführen der roten Köstlichkeit auf einen Teller benutze ich gerne eine Zange, dann muss man sie aber gut fassen. Hier hat es dann nämlich BATSCH gemacht und die Tomate lag wieder in der Auflaufform… und ihre Füllung war einmal durch die ganze Küche verteilt. -.-“
Aber: schmecken tut sie. 😀

Wir haben dazu nebenbei auch schon Pommes oder Koketten gegessen, wobei letztere deutlich mehr Soße brauchen – denn so oder so kommt da echt nicht viel raus und Koketten saugen ja wie irre.
Pro Person sollte man mit 2 – 3 Tomaten rechnen.

Wegen des BATSCH gibt es dieses Mal auch keine Bilder. Das sah danach einfach nicht mehr schön aus.

92,54€

Das ist absoluter Rekord für einen normalen Einkauf – zumindest bei mir. Mannmann kommt regelmäßig drüber. Allerdings sind die Einkäufe auch streng aufgeteilt. Ich kaufe alles, was gerade akut benötigt wird, wobei er in der Regel den teuersten Posten bezahlt, seit dem ich krank/arbeitslos bin. Er macht den großen Monatseinkauf. Und kommt da regelmäßig über 200€. Ein weiterer Unterschied:
Ich muss mich auf Mengen und Gewichte reduzieren, die ich tragen oder notfalls mit dem LastkraftFahrrad transportieren kann. Daher kaufe ich zum Beispiel keine Getränke in größeren Menge. Die Grenze liegt klar bei 6 bis 7 Flaschen im Nichtreal und 12 Flaschen im Netto. Meistens renne ich aber in den Netto, da dieser näher ist und ich so ein Sixpack schon auf diesen Weg etwa hunderttausend Mal absetzen muss. In der Regel entscheide ich auch zwischen Getränk und Milch, da ich beide nicht gut genug transportieren kann. So zieht sich das durch alle Produkte.
Mannmann hat dagegen Führerschein und Auto, ist damit Mengenmäßig nur in der Größe des Kofferraums und eventuell der Rückbank limitiert. Zudem ist er für alles verantwortlich, was mehr oder weniger Alkohol enthält.

Und heute? Heute habe ich mich Mengenmäßig übernommen. Einfach nur deswegen, weil Mannmann noch hier und da was einfiel, was wir dringend brauchten. Und da wir WEDER Milch noch Getränke im Haus hatte, kam ich heute nicht umhin beide zu kaufen.
Also suchte ich einfach mal mein Fahrrad wieder aus dem Keller. Ich habe mir da ja nicht umsonst einen extragroßen Korb drauf montiert. Leider fiel mir dann auch wieder ein, warum ich es seit Oktober nicht mehr angefasst hatte: Die Bremsen müssen dringend nachgezogen werden. Es gibt zwar noch eine Bremswirkung, die für den Alltag mehr als genug ist, aber eine Notbremsung ist damit einfach nicht mehr möglich. Leider stelle ich mich dabei immer strumsdumm an. Beim vorletzten Mal hab ich die Bremsen so falsch eingestellt, dass der Bremssattel bis aufs Metall abgeschliffen wurde. Innerhalb von 4 Monaten.
Außerdem war der Vorderreifen recht luftkarg, meine Luftpumpe ist allerdings so ein Miniteil und so konnte ich den Reifen nicht schön prall machen sondern halt nur „naja, reicht für den kurzen Weg“. Ich glaube, früher oder später sollte ich damit in den Radladen, damit es wieder mal durchgecheckt wird.

Wie auch immer: der Abtransport der etlichen Sachen klappte super. Und das waren 12 Paprika, 8 Nektarinen, 3 Knoblauchknollen, Creme fraiche, 4 Packungen Milch, Kinderbonbonse, 2 Packungen Frischkäse, 4x Bacon, 16 Schaschlickspieße, 3 Rouladensoßen, Chickenwings für Mannmann, 1 Chlorfix, 7 Flaschen Schwiuppschwapp und in weiser Voraussicht 1 Schokoeis zum Kugelnmachen.
Alles zusammen 92,54€. Da musste ich an der Kasse erst mal schlucken. Gut, dass das Schaschlick mit über 40€ der teuerste Posten ist und das nur ein temporäres Loch im Geldbeutel darstellt.

Mannmann kommentierte den Kassenzettel nebenbei mit „Autsch“. Ja, ich auch.

Zugedreht

Wenn ich einkaufen will, dann tue ich das meistens auf einen Weg. Wohin? Ist egal – Hauptsache ich muss nicht „nur“ einkaufen.
Dann gibt es auch zwei Läden, die es anzusteuern gilt. Wobei ich selten beide Läden besuche sondern eher entweder oder. Da wäre zum einen der Nichtreal, der ähnlich wie sein Namensvetter nach dem „einmal hin, alles drin“-Prinzip handelt, solange es um Produkte geht, die Billigdiscounter auch haben. Anders als Real also keine Klamotten, Elektrotechnik etc. pp. Dafür ist sein Krabbeltisch meistens deutlich qualitativer. Da bieten die auch einfach mal Messersätze von Zwilling in der oberen Preisklasse an.
Ich mag den Laden, weil der einfach einen gewissen Flair hat. Sein (riesiges) Weinsortiment hat einen Pseudoparkettboden und sieht unheimlich edel aus. Seine Brotwaren versteckt er nicht in einem Ein-Meter-Gang, sondern eher zwanzig Meter gefüllt mit allen Arten an Brot so wie einen kleinen, eigenen Großbäcker, der auch noch frische Brötchen und ähnliche Produkte serviert. Von jeden noch so kleinen Teil hat er mindestens drei verschiedene Anbieter ausgestellt – inklusive der Eigenmarke – und dann natürlich noch den Fleischer. Eine RIESIGE Theke mit Fleisch, Käse und Fisch. Wenn da zwanzig Mann anstehen, fällt das gar nicht auf. Außerdem haben sie einen wunderbaren Brie im Angebot, den man sogar als ganzes Rad erwerben kann. Aber wohl nicht in unseren Kühlschrank passt. Aber sie bieten es an! Und der ist scheiße lecker! Dafür kostet es da halt auch immer ein bisschen mehr. Aber der Service ist mir das Wert. Leider ist der Laden kein Geheimtipp und Freitags und Samstags muss man sich durch ein Meer Menschen wühlen.
Netto liegt dagegen deutlich näher und bekommt wohl seinen Hauptverdienst durch die vier höheren Schulen im direkten Umkreis. Da dort etliche Schüler 18+ sind, ist der Laden zu gewissen Zeiten dringend zu meiden. Leider ist er qualitativ eher ein schlechter Markt. Ich hab im Hochsommer schon mal vor einen leeren Getränkeregal gestanden. Und damit meine ich richtig leer. Nur die hochprozentigen Alkoholgetränke waren noch da, Rest komplett weg. Von Wasser über Limonaden bis Säfte. Alles komplett ausverkauft. Und das darf einfach nicht passieren. Das ist es danach aber noch (mit verschiedenen Gütern) vier oder fünfmal.
Dazu ist die Auswahl sehr eingeschränkt. Beim Kakao haben sie zum Beispiel nur Nesquick – der mir nicht schmeckt. Dennoch ist der Netto der Laden der Wahl, weil man da zumindest die einfachsten Sachen bekommt (in der Regel) und da der beste Pfandrückgabeautomat der Stadt wohnt. Meine ich. Zugegeben war ich noch nicht in vielen Läden um das wirklich einzuschätzen – aber 1 Minuten Fußmarsch und ein schneller Automat sind schwer zu toppen.

Damit sind wir auch schon beim Kern des Themas:
Den Pfand. Den bringe ich immer nur alle paar Wochen weg – den mag ich nämlich nie auf den Weg mitnehmen – lieber dann, wenn ich „nur“ einkaufen gehe. Das heißt da sammeln sich immer ein paar Flaschen an.
So auch am Montag. Da ich eh „nur“ einkaufen musste, habe ich direkt geschaltet und den Pfand mitgenommen.
Was ich wie immer zu spät bedachte – nämlich als ich bereits am Automaten stand – waren die etwas kühleren Temperaturen. Die Weichplastikflaschen verformen sich dann immer so lustig, wenn man nicht vor dem Transport den Deckel auftret. Aber da muss man eben früher dran denken als ich.

Ist auch kein Problem. Keine Schlange hinter mir und ich bin routiniert. Vergesse das nämlich immer. Deckel aufdrehen und in den Automaten werfen dauert etwa eine Sekunde länger als ohne Deckel aufdrehen.

Sonst.
Da Mannmann mich dazu anhält, weniger Zuckerwasser zu trinken, geht der Inhalt des Pfandbeutels fast komplett auf seine Kappe. Mannmann dachte, das eine leere Flasche fest zu gedreht werden muss. Da stand ich also nun und bekam die scheiß verfickte Flasche nicht auf, die wegen ihrer Verformung vom Automaten nicht erkannt werden konnte. Hab es versucht. Die nächsten Flaschen waren auch nicht besser.

Da kam mein Held in schillender Maurererrüstung vorbei. Mensch Marke drei Meter hoch, drei Meter breit und ein Abkömmling von Hulk Hogan und Arnold Schwarnzenegger zu ihren jeweils besten Zeiten. Ein wandelnder Muskelberg, der ob seines Berufs diese auch einsetzen konnte. Ungefähr so stelle ich mir Obelix von den Nussnasen vor. Und den erwähne ich auch nur, weil er rumjammerte, dass ich ihn bisher nur in einem Artikel verwendet hatte!
„Kommse mal her Fräulein!“, sagte er amüsiert. Ich hatte mich ja direkt verliebt. Ich mag es, wenn man mich Fräulein nennt. Ehrlich. Frau finde ich voll doof. Das klingt so alt. Fräulein nach einem jungen Grashüpferdämchen in IHRER besten Zeit. Hätte der nun noch Schnitzel im Einkaufswagen und einen Hund an der Seite gehabt – ich wäre nicht mehr nach Hause gekommen. 😉
Muskelberg nahm mir also die Flasche ab und drehte den Deckel auf. Nicht. Er stutzte und versuchte es etwas fester. Er lief rot an. Hätte ich seine nackten Oberarme sehen können, wären sicher Adern und Sehnen hervorgetreten. Also sind sie bestimmt… aber so hätte ich es sehen können.
Irgendwann machte es knack und die Flasche versetzte sich wieder in ihre angestammte Form.
„Wer hat DIE denn zugedreht?“
„Mein Freund.“
Der sah mich an! Wer weiß, was er sich vorgestellt hat. Bestimmt nicht meine niedliche, kleine Rollkugel, die mein Mannmann ist. Also… im Vergleich zu diesen Berg.
Er half mir noch bei den anderen Flaschen und wir diskutierten, ob das vielleicht durch den Kälteverzug so schwer sei, als ich eine besonders böse verformte Flasche erwischte und die ohne Probleme aufbekam. War eine Schwibbschwabb. Die einzige Schwibbschwabb. Die ich geleert und geschlossen hatte.

Das teilte ich den Muskelberg mit.
„Verhau’n se den mal ordentlich! Die Teile so fest zuzudrehen…“, meine er im Scherz. „Mach ich! Versprochen!“. Da wurde er blass. Seiner Vorstellung nach musste Mannmann ja noch stärker sein als der und ich 1,64 abgebrochener Stock will den Kerl was setzen und sag das auch noch voll selbstbewusst?! Man muss ich Mut haben!

Danach bedankte und verabschiedete ich mich brav, Muskelberg zog weiter (der hatte kein Pfand, keine Schnitzel und auch keinen Hund – nur Lust zu Helfen) und meine Eine zog einen 19,25€-Pfandbon. Nur damit ihr mal eine Vorstellung von der Flaschenanzahl bekommt.

Zu Hause schimpfte ich dann mit Mannmann. Der lachte und meinte, er wäre ein starker Stier! „Doofer Ochse wohl eher!“, sagte ich und ging. Er konnte trotzdem lachen. Ich auch.

Voll lecker: Spinatrollfleisch

Mannmann isst Werktags nicht @home, sondern @Kantine. Ist vollkommen in Ordnung – dann hab ich weniger Arbeit und kann essen, was mir schmeckt. Und das ist nicht immer etwas, was Mannmann auch essen würde. Zum Beispiel Matschepampe. Oder Fluffycakes. Wobei er letzteres isst, wenn sie zufällig im Kühlschrank stehen und keine Frau in Sicht, die sie auf Leben und Tod verteidigt. Aber eben nicht als Hauptmahlzeit, so wie ich.
Auf Grund dessen kommt er ab und zu mit Speiseideen nach Hause, die ich doch bitte einmal nachzukochen habe aber bitte mit der und der und der und der und der Änderung.

Auch das ist in Ordnung. Würde es nach mir gehen, gebe es ständig das Selbe oder gar nichts. DA er deutlich weniger mimösig ist als ich, hat er da viel mitzubestimmen. Natürlich habe ich ein Vetorecht, mache davon aber eher selten Gebrauch. Und dann meistens nur in den Momenten, wo er etwas wirklich widerliches (aus meiner Sicht) oder was viel zu Kompliziertes will.
So berichtete er mir, dass er kürzlich Rouladen dort zu essen bekam, die ich doch bitte auch machen sollten. Diese Speziellen seien aber mit Spinat gefüllt und ich solle außerdem Feta dazu tun. Als Beilage wünsche er sich Speckbohnen und Rosmarinenkartoffeln.

Na wenn es weiter nichts ist… o.O

Also ging ich Sachen besorgen. Kartoffeln und Bohnen im Netto, Spinat aus der Tiefkühltruhe und Rindfleischscheiben beim Lieblingsfleischer im Nichtreal. Die Fleischfachverkäuferin fragte verdutzt dreimal nach, ob ich auch wirklich ein Dutzend Rindfleischscheiben haben wollte. Ich bejate tapfer. Immerhin bezahlt Fleisch der Mannmann und DER hat gesagt, dass 10 Rouladen vielleicht ein bissel wenig wären. Als sie die prall gefüllte Fleischtransporttüte dann auf die Waage legte, wusste ich, warum sie fragte: 1,8kg und Rind ist ja nun nicht das billigste Fleisch auf den Markt.
Aber ommmmmmm Mannmann zahlt. Die Fleischtransporttütenpapiertüte in der die Fleischtransporttüte nun verpackt war also in den Einkaufswagen (war nun quasi ein Fleischtransporrttütenpapiertütentransportwagen) gelegt, bezahlt, Mannmann die Rechnung vorgelegt und anstandslos das Geld wieder bekommen. So muss das. 😉

Anschließend direkt ans Kochen gemacht. Also Kartoffeln gewaschen und geviertelt, Zwiebeln geviertelt, Knoblauchzehenbrocken gedrittelt. Öl, Salz, Pfeffer, Chili, Rosmarin und Paprika zusammen mit den Vierteln und Dritteln gerecht auf zwei Bleche verteilt, durchgemischt und in den kalten Ofen geschoben. Und ausgelassen.
Dann Senf, Öl, Salz, Pfeffer, Paprika und eine Priese Zucker gemischt. Blattspinat und Feta in jeweils eine schüssel gepackt. Die Fleischtransporttüte aus der Fleischtransporttütenpapiertüte (den Fleischtransporttütenpapiertütentransportwagen habe ich beim Nichtreal gelassen) genommen und das Fleisch anschließend aus der Fleischtransporttüte. MAN SIND DAS RIESEN TEILE!

Fleisch etwas abgetupft und wie ne Stulle mit dem Senfgemisch bestrichen. Spinat drauf, Feta drauf, gerollt und mit bereit gelegten Spießen getötet. Quasi zerhäckselt. ZERHACKSTÜCKELT! Mannmann zeigte mir ab Roulade #5 eine bessere Aufspießmechanik, wodurch ich nur noch ein Spieß pro Fleischrolle brauchte. Anstatt acht.


Nein, so schlimm war es nicht. Ich hatte drei genommen. Die hielten auch besser! Aber dafür war es scheiße zu braten.
Roulade #11 und #12 wurden dann ohne Spinat und dafür mit Speck bestückt, da der Spinat alle war.

Danach den Ofen angefeuert (180° und alle 10 Minuten Kartoffeln wälzen… insgesamt waren es 50 Minuten, wenn ich mich nicht irre), Speck im Topf sehr leicht angebraten, Bohnen dazu geworfen, die Hälfte der Bohnen vom Boden aufgelesen und in den Topf dazu. Rätseln ob der Topf doch zu klein ist. Ignorieren.
Dann die Rouladen in einer Pfanne braten. Heißt sehr heiß, ums Öl heiß zu bekommen und dann mittlere Hitze einstellen und braten (zwischendurch Bohnen gerührt und Kartoffeln geschwenkt). Leider hab ich die Rouladen falsch gebraten. Die haben zu viel Flüssigkeit verloren, weswegen sie dann medium-rare wurden. Wir essen zwar gerne medium-rare – aber bei Rouladen kommt das einfach nicht. Auch nicht bei Rindsrouladen.
Merke: nächstes mal scharf anbraten und dann nochmal mit in den Ofen. Sollte das Problem lösen.
Bis ich damit fertig war, waren Bohnen und Toffeln auch gut. Dann aus den Rest Öl, Bratensoßezauberwürfel, Mehlschwitze, Wasser und Gewürzen nach Mannmanngusto eine Soße gezaubert und fertig wars:

Rouladen

Hab ich das nicht wunderhübsch serviert?

Hat nebenbei wesentlich besser geschmeckt als erwartet. Ich mag sonst kein Feta und bei Blattspinat bin ich ’ne Mimose (zerhackstückelten Spinat esse ich sehr gerne… aber Blattspinat so gar nicht – dabei ist egal, ob der zerhackstückelte Spinat aus den vorher missachteten Blattspinat zerhackelt wurde… ich bin da eigen) – aber Gott war das lecker! Wenn jetzt noch das Fleisch durch gewesen wäre… Aber morgen machen wir die Rouladen im Ofen warm anstatt in der Mikrowelle, damit sollten sich ja noch etwas an Farbe gewinnen. Oder verlieren. Je nach Sichtweise. Die Soße hat mir nicht geschmeckt. Theoretisch zwar lecker, aber die Grundlage war einfach nicht gut. Das Folgeproblem davon, dass das Fleisch zu viel Wasser gelassen hat und dadurch insgesamt zu viel Hitze in der Pfanne war – Grundlage verbrannt. Gut ausgesehen hats trotzdem und zwischendurch hat man „wie es hätte schmecken können!“-Geschmacksproben gehabt.

Funfact:
Wegen so Wörter wie „Fleischtransporttütenpapiertütentransportwagen“ mag ich die deutsche Sprache ja sehr gern. Ich war nämlich der Fleischtransporttütenpapiertütentransportwagentransporter! ^__^