Danke Amt.

Ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich habe heute eine schlechte Nachricht nach der Anderen bekommen. Ich fange mal von vorne an:

Damit ich Wohngeld bekomme, darf ich einen gewissen Betrag x nicht übersteigen. Dieser ist logischer Weise abhängig von der Miete im Verhältnis zum Einkommen.
Wenn nun aber mein Einkommen einen Wert y untersteigt, so dass Wohngeld + Einkommen unter dem Wert z liegen, bekomme ich auch kein Wohngeld – dann darf ich Hatz IV beantragen.

Bitte was?
Ja, Beitrag Z steht für das Geld, das ein Mensch in Deutschland mindestens benötigt, um überhaupt Leben zu können. Das Wohngeld selbst wird nur anteilig von der Miete bezahlt. Dadurch kann es passieren, dass ALG1 und Wohngeld weniger als Z ergeben. Ist dies der Fall, darf laut Gesetz kein Wohngeld gewährt werden.

Jetzt kommts:
Wenn ich zur Sicherheit Hartz IV als Aufstockung beantrage und das für diesen Monat noch geltend machen möchte, muss ich das auch diesen Monat noch beantragen. Wenn ich diese aber gewährt bekomme, habe ich kein Anrecht mehr auf Wohngeld. Wenn ALG1 + Wohngeld also dann doch gerade so Betrag Z ergeben würden, bräuchte ich kein Hartz IV.
Um das sicher evaluieren zu können, muss ich nun die Höhe meines ALG1 kennen. Also die echte und nicht die geschätzte. Denn laut Wohngeldbearbeiterin ist das bei mir eine knappe Sache.

Grund genug, dass ich TATSÄCHLICH bei der Arge anrufe und nach dem Stand der Dinge frage.
Ich habe brav meinen Namen und meine Kundennummer genannt, Adresse und Geburtsdatum zum Datenabgleich genannt und dann gefragt. Das erste was ich hörte war:
„Das ist ja seltsam…“
Nein, das wollte ich nun nicht hören – mein Schrecken war groß.
„Haben sie die Arbeitgeberbescheinigung abgegeben?“
Ja, gleich am 02.05. im persönlichen Kontakt.
„Stimmt, da ist sie… seltsam… und der Antrag ist auch vollständig… seltsam…“
Hallo? Sie machen mir Angst!
„Frau Unsoziale, ihr Eintrag hat keinen Status, der wurde scheinbar noch nicht bearbeitet oder eingesehen. Wir sind inzwischen auch bei Mitte Mai mit den Bearbeitungen, daher kann ich mir das echt nicht erklären. Ich werde für sie einen Rückruf vereinbaren – ist das in Ordnung?“

Und nun warte ich auf den Rückruf. Ich bin entsetzt. Verzweifelt. Fühle mich im Stich gelassen. Man hat meinen ALG-Antrag scheinbar irgendwie verbuhselt und übergangen. Toll, da kann ich lange warten.
Ich kann nur hoffen, dass das nun ein wenig Tempo in die Sache einbringt. Ich habe beschlossen das vorerst aus zu sitzen und das Aufstockunhgs-Hartz IV erst im Juni zu beantragen, wenn ich genaue Daten habe. Denn eigentlich will ich lieber ALG und Wohngeld – schon allein deswegen, weil man als ALG1er man ein ganz anderes Verhältnis zu den Bearbeitern hat als in Hartz IV. Mag ein Vorurteil sein, aber mir ist damit wirklich wohler.

Aber… irgendwie kann ich nun die Leute verstehen, die jammern, dass die Asylanten so viel Geld für nichts bekommen. Ich weiß (!) zwar, dass die auch nicht viel bekommen und mit ihren Geldern tatsächlich noch unter dem Hartz IV-Satz liegen, aber Bauchkrummeln macht das eben doch. Könnte besser und mehr Geld ausgezahlt werden, wenn wir diese Last nicht tragen müssten? Wäre dann nicht die Rede von Rente ab 70 und Altersarmut?
Ich weiß es ehrlich nicht. Kann sein, dass ich gerade irgendwie unter Schock stehe.
Klar ist: Ich bereue zum ersten Mal wirklich und sehr stark meine Berufswahl. Klar, ist ein toller Job, macht Spaß und ist wichtig für die Gesellschaft. Aber mit etwas mehr als 100€ über den gesetzlichen Mindestlohn (!) bringt einen das alles nichts, wenn man bei schuldlos ins soziale Netz gerät. Sieht sehr, sehr, sehr dünn aus hier, das Netz.

Da ist gutes Geld teuer

Momentan geht es mir nicht so gut. Klar bin ich immer mal wieder guter Dinge und kann lachen und so – aber die Sorgen geben mir jeden Abend einen heftigen Dämpfer, der von Tag zu Tag schlimmer wird.

Aktuell habe ich nämlich immer noch keinen Bescheid von der Arge, ob und in welcher Höhe ich denn nun ALG 1 bekomme. Meine Ersparnisse reichen noch für einmal Miete und Strom, dann sind sie weg. Scheiß Situation.
Dazu kommt, dass ich morgen zur Sozialstelle wollte (und auch muss) um Wohngeld zu beantragen, da mir laut Rechnung weniger als 700€ ALG zustehen – jetzt sollte das mit dem Wohngeld aber klappen. Ich habe auch schon alle Unterlagen parat. Was fehlt? Die Höhe meiner Einkünfte, also das ALG. Solange ich das nicht weiß, wird man mir kein Wohngeld zugestehen. Allerdings >muss< ich es diesen Monat noch beantragen, damit der Mai noch mit unterstützt wird… WENN ich denn überhaupt Wohngeld bekomme.
Verzwackte Situation, die mir ganz viel Bauchweh bereitet.

Das dann gerade diese Woche auch noch der Warcraft-Film angelaufen ist, auf den ich mich durchaus schon gefreut habe und meine Freunde ihn schon ALLE gesehen haben, macht es auch nicht besser. Selbst den Kinodienstag kann ich mir nicht leisten und Mannmann lässt sich, was das Geld anpumpen geht, kaum erweichen. Okay – kein großes Drama. Aber das ist quasi so ein steter Tropfen auf den Stein, der es nun auch nicht wirklich besser macht.

Wenn ich morgen wieder zu Hause bin, werde – und muss – ich die auf der Arge anrufen und nachfragen. Nicht das meine Online-Einreichung doch schief gegangen ist – eine Reaktion kam nämlich trotz Ticket meiner Bearbeiterin nie. Finde ich äußerst charmant.

Und natürlich habe ich durch diese Situation total verbaselt, mir ein neues Rezept für Bisoprolol zu hohlen. Seit Freitag habe ich keine Tabletten mehr – und kein Geld um die Rezeptgebüren zu zahlen. Die einfachste Lösung DAFÜR wäre eine Befreiung zu beantragen, bei der ich nachweisen muss, dass ich bereits 2% meines Jahresgehalt in Medizinprodukte versenkt habe. Dumm: Ich habe momentan ja gar kein Jahresgehalt – bzw. habe ich eines, aber eben nicht vollständig und unklar in welcher Höhe.
Aber hey: wenigstens hier wird mir Mannmann Geld geben. Da bin ich mir ziemlich sicher (auch wenn ich ihn noch gar nicht gesagt habe, dass die aus sind… määäh).
Das wäre noch nicht mal sooo tragisch, wenn ich das Fehlen der Tabletten nicht merken würde. Ich nehme die ja nicht wegen Bluthochdruck, sondern weil mein Herz galoppiert als gebe es keinen Morgen mehr. Und das spürt man. Mich quält zur Zeit, besonders wenns gerade ruhig wird und ich nichts zu tun habe, die Angst, dass mein Herz komplett den Kasper macht – also nicht nur tachykardiert sondern direkt ins Flattern übergeht

Daher ist die Situation momentan einfach nur beschissen. Auch wenn ich darauf hoffen kann, dass alles noch einen guten Ausgang hat, meine ALG-Bescheinigung vielleicht nächste Woche kommt und damit alle Geldsorgen erst mal ein wenig abgemildert werden. Gewährtes Wohngeld wäre dann wieder top – und bei voraussichtlich 680€ ALG und einer Miete von 400€ (kalt!) sicher drin. Hoffe ich. Bete ich. Wenn nur die Arge endlich aus den Knick kommen würden. 😦

Edit:
Während ich diese Zeilen tippte, kam ich auf die Idee mal auf der Website der Arge nachzusehen, ob es da irgendwelche Infos gibt. Kann ja durchaus sein.
Leider ist das dort auch nicht der Fall. Und auch ein erneuter Blick ins Konto erwies sich dahin gehend als gut, dass ich minimal mehr Geld drauf habe als erwartet – wird mich aber trotzdem nicht über den April Juni (danke Obelix) bringen – aber immer noch kein Geld durch die Arge eingegangen ist. Hätte ja sein können, dass die Geldüberweisung schneller ist als die Benachrichtigung.
Nichts desto trotz habe ich einfach mal eine Nachfrage an die Arge gesendet – online – ob man einschätzen könne, wie lange die Bearbeitung noch dauert. Ich bin mal gespannt. *seufz*

Tage, die keiner braucht

Ich stellte heute morgen als Erstes fest, dass es furzegal ist, wann ich ins Bett gehe. Vor 12 Uhr wache ich nicht auf. Ich habe diese Nacht mal wieder 12 Stunden geschlafen. Blöder Eulenrhythmus. Geplant war eigentlich irgendwann zwischen 8 und 10 Uhr aufzustehen, um recht früh in den Nichtreal zu kommen, aber dem war dann halt nicht so.

Im Nichtreal stellte ich dann mit vollen Einkaufskorb an der Kasse fest, dass meine Geldkarte nicht da war.
Meine EC-Karte diente bei meiner Bahnfahrt in die Heimat als Identifizierung. Bei Online-Tickets muss man nämlich etwas angeben, dass dem Schaffner zeigt, dass hier die richtige Person fährt. Früher ging das nur mit Kreditkarte und Bahncard, inzwischen auch mit der EC-Karte. Da ich keine Kreditkarte hatte und die Bahncard mit dem Fahrkartenkauf verband, konnte ich nur die EC-Karte angeben. Und um im Zug nicht ewig kramen zu müssen, wenn der Schaffner nicht kommt, aber auch die Geldbörse nicht ständig offen liegen lassen muss, habe ich dann Bahncard, EC-Karte und Fahrkarte in den eReader – bzw. dessen Schutzhülle – gelegt. Das klappt ganz gut, hab ich schon öfter so gemacht.
Als ich dann nach Hause kam, musste ich furchtbar dringend groß auf Klo. Also eReader geschnappt und der Wohnung stinkekräftig gezeigt, dass ich wieder da bin. Die noch in der Hülle befindlichen Karten hatte ich dann einfach auf das Schränkchen gelegt, wo ich meine Toilettenlektüre immer ablege. Nach dem ich fertig war, hab ich DARAUF den Reader gelegt. Und seit dem habe ich nur noch Pokemon auf dem WC gespielt anstatt zu lesen.
Mit anderen Worten: während ich samt Geldbeutel, 20€ Bargeld und einen vollen Einkaufswagen an der Kasse stand, lag meine Geldkarte immer noch im Bad. Freude.

Zum Glück ist das Nichtreal recht kulant. Habe (ohne die Ware aufs Band zu legen) mein Problem erklärt und durfte den Wagen an die Seite stellen, damit ich meine Geldkarte hohlen kann. Also Viertel Stunde schnellsten Fußmarsches wieder nach Hause, mit den Rad (ich wollte nicht nochmal laufen) in Windeseile wieder zurück, die mysteriösen Produkte, die ich NICHT eingepackt (und auch nie einpacken würde) aus den Wagen gelesen und bezahlt. 22€. Ernsthaft. Ich hatte zwar nur einen 20€ Schein dabei aber auch noch 5 – 10€ in Münzen. Entsprechend doof blickten mit die Kassiererinnen auch an. Ich hatte aber nicht wirklich im Kopf mitgerechnet und den Einkauf aufs Doppelte geschätzt. Man sah es mir nach.
Anschließend wieder zu Fuß nach Hause – die Tasche passte zwar in mein Megakörbchen, war aber zu voll, um sicher damit nach Hause zu fahren, ohne etwaige Produkte zu verlieren. Muss ja nicht sein.

Nun bin ich, als ich das erste Mal losgelaufen bin, recht schnell aufgebrochen und habe nur kurz aus dem Fenster geschaut, um das Wetter einzuschätzen, anstatt mal die Wettervorhersage zu konsultieren. Es war bewölkt und recht duster.
Also habe ich meine lederne Übergangsjacke angezogen. Und bei meinen kleinen Rundgang war ich zu gestresst, um die Jacke auszuziehen. Als ich wieder zu Hause ankam, war ich total überhitzt und stand kurz vor einer Ohnmacht. Glücklicherweise war Mannmann zu Hause und konnte mir so recht schnell Wasser einflösen, weil ich mich einfach an der Haustür auf den Hosenboden gesetzt hatte (geplant, aber länger hätte ich nicht mehr stehen können). Nachdem ich meine Körpertemperatur dank Dusche und reichlich Wasser wieder abgesenkt hatte, konnte ich dann meine Tasche auspacken.

Natürlich hatte ich vergessen Mozzarella zu kaufen und natürlich haben wir nur noch einen Klumpen eingefroren. Narf. Nja – gehe ich morgen nochmal ins Netto.

Danach legte ich mich ins Bett, vollkommen erschöpft, und machte späten Mittagsschlaf. Volle 5 Stunden lang. ._.
Na toll!

Aber eine gute Nachricht gab es heute dann trotzdem: durfte heute einen neuen Dauertermin in den Kalender eintragen:

Und ja, der Name bleibt.

Was die Zukunft bringt (Arge)

Ich bin immer wieder erstaunt, wie engagiert die Arge-Mitarbeiter hier sind. Da hab ich schon deutlich schlimmere Erfahrungen in anderen Arge-Einrichtungen gemacht.
Heute sollte ich mich nämlich zwecks Gespräch bei meiner Betreuerin vorstellen. Bzw. bei der Vertretung, denn „meine“ ist nach wie vor im Urlaub. Dieses Mal hatte ich aber jemanden, der das Gesundheitswesen regelmäßig vertritt, womit sie schon mal besser beraten konnte als die spontane Vertretung von vor zwei Wochen.

Das erste Thema das wir hatten, war dann auch gleich meine Gesundheit. Mir wurden schon beim ersten Mal Unterlagen für den medizinischen Dienst mitgegeben, die ich nun brav ausgefüllt wieder mitbrachte. Sie war begeistert – manchen müsste man da wochenlang nachrennen. Aber ich WILL ja arbeiten – und will vor allem wissen, was ich noch darf und was nicht.
Danach ging es weiter mit was ich so rechnete und was ich will. Und ich fragte gleich, was ich machen soll, wenn man mir Stellen von der Arge zuschicken würde, wo ich mich bewerben soll.
Die Antwort war super: Ich solle auf Seite 2 schauen, ob da was von Rechtsbelehrung oder ähnliches stehen würde. Wenn nein, dann muss ich mich nicht bewerben. Dann ist das quasi ein „Schau mal, haben wir gefunden, was denken sie davon?“-Schreiben. Wenn ja, dann soll ich mich einfach melden, dass das momentan nicht geht und erst die Begutachtung ansteht. Wenn dann natürlich die Hammerstelle dabei ist, wäre mir niemand böse, wenn ich mich bewerbe. Perfekt. 🙂

Kurz danach kam dann noch ein zweiter Betreuer dazu. Der betreut das Gesundheitswesen von der Arbeitgeberseite her. Mit anderen Worten: Der ist Schuld an die „Hier Stelle, bewirb dich (vielleicht)!“-Schreiben. Auch den informierte ich bezüglich meiner Wünsche und er musste lachen. Durch Zufall waren Minuten vorher zwei Stellenausschreibungen eingegangen, die diesen Wünschen mehr oder weniger entsprechen. Die eine Stelle ist etwas weiter weg, die andere Teilzeit. Ich solle aber mal drüber nachdenken und er schickt mir die Sachen zu. Beides medizinische Schreibkräfte, von daher eigentlich perfekt. Auch wenn die Teilzeitstelle aus finanzieller Sicht fast schon ausgeschlossen ist. Aber auch da zeigt der werte Herr sich verständnisvoll.

Zuletzt hat man dennoch über meine Bewerbungsunterlagen rüber geschaut (und hat sich ausführlich und positiv über meine „da hab ich mich schon beworben“-Tabelle Marke Eigenbau geäußert – die gibt es zwar auch über die Arge, aber die würde kaum jemand vernünftig ausfüllen) und hat hier und da noch was verbessert. Außerdem habe ich erfahren, dass ich bei großen Arbeitgebern, also Krankenhäusern, ruhig die billigen Klemmmappen nutzen soll, weil diese Klappmappen zwar schön sind aber auch umständlich. Also für die Arbeitgeber. In kleinen Praxen soll ich dann die guten Mappen aufbrauchen, da diese noch nicht so wirklich weg davon sind. Aber auch hier würde mir durch die alte Mappe kein Nachteil entstehen. Außerdem kein Hochglanzpapier, bei dem einen oder anderen würde man sich inzwischen sogar über Recyclingpapier – also das beige, dass man auch bei der Arge sieht – freuen, weil es nachhaltig ist. Geil. Ich werde trotzdem weiterhin weißes, normales Papier nutzen und meine Beraterin fand das auch noch besser. In fünf bis zehn Jahren könnte man sich aber wahrscheinlich bedenkenlos mit Recycling bewerben und würde dann mit Kusshand genommen.

Als letztes Thema war dann mein ALG-Antrag. Da ich da am Anfang leichte Probleme hatte, wollte ich wissen, ob man den Antrag auf mich zurückführen könnte. Nicht das es schief geht, weil die eine Stelle auf die Arbeitgeberunterlagen und die anderen auf meine Unterlagen wartet. Das konnte sie mir leider nicht beantworten, weil sie die betreffenden Unterlagen nicht einsehen könne. Statt dessen hat sie aber ein Eilt-Ticket dafür fertig gemacht und vermerkt, dass man kurz via E-Mail informieren sollte, ob die Unterlagen eingegangen sind. Da ich die Sachen schon am 02. Mai fertig gemacht hatte, sollte ich in der 21., spätestens aber in der 22. Kalenderwoche einen entsprechenden Bescheid bekommen.

Das Fazit aus dieser halben Stunde:
Geil! Mir wurden ein paar große Brocken vom Herzen genommen, ich fühlte mich verstanden und aufgehoben. Wenn jetzt der Antrag nochankommt, damit ich Wohngeld beantragen kann, ist auch die letzte Hürde genommen.

Im Anschluss habe ich mich damit belohnt, dass ich mein Fahrrad zum Fahrradladen gebracht hab. Wenn ich es selbst nicht schaffe, die Bremsen festzuziehen, macht das eben der Profi. Nun ist es wieder verkehrstüchtig. Und ich habe die Bestätigung, dass ich DRINGEND was machen muss. Oder es fliegen schon wieder die richtigen Pollen rum, so dass ich dadurch kaum Luft bekommen habe. Aber ich tippe eher auf „ich bin zu fett“. 😦

Fundstück: Was wäre wenn?

Ja was wäre, wenn Mannmann und ich doch Kinder bekommen würden?

Aktuell sieht es ja so aus, dass wir niemals Welche haben wollen. Er, weil er es verantwortungslos findet, in diese verkorkste Welt noch Kinder reinzusetzen und ich, weil ich Kinder in fast jeder Altersstufe entweder ausdrücklich hasse (5 Jahre bis irgendwann nach der Pubertät), tot langweilig finde (Neugeboren bis ca. 8 Monate) und mir jeglicher Mutterinstinkt fehlt (jedes Alter). Bevor das falsch verstanden wird:
Ich hab genug Neugeborene, Babys und dergleichen gesehen – dank Job, Familie und Freunde – und denke mir jedes Mal: Ah. Ein Baby. Okay. Weitermachen mit der Arbeit. und danach Alter was MACHEN die Weiber da alle? Dieses ganze „Oooooh ich wills HOOOCHNEHMEN!“ oder „Awwww wie süß, darf ichs halten?“ oder „Gutschigutschiku!“ kommt bei mir nämlich nie auf. Wenn man mich fragt, ob ichs Baby mal halten will, ist meine erste Reaktion immer: Neeee lass ma! IIIIH NIMMS WEG! NIMMS WEG IS EKLIG ICH WILLS NICHT! – eklig ist dabei nicht das Baby (so verkorkst bin ich nicht) sondern die Sabber. Oder Stinkewindel. Halt so Sachen, die ein Baby nun mal macht. Da für kann es ja nichts und ich mache ihm auch keinen Vorwurf. Und wenn es mal sein muss, dann halte ich auch das Baby. Ehrlich. Aber dann halte ich es. Und starre Mama/Papa/Andere an, auf dass sie es mir wieder wegnehmen. Schuckeln, blabbern oder Gutschigutschiku mache ich nicht. Echt jetzt? Was soll denn das Baby von mir denken, wenn ich das mache?!
Ab 5 Jahre verspüre ich nebenbei primär Angst (ja Angst!) vor den Kindern, was sich recht schnell in Aggression verliert. Diese Reaktion beschleunigt sich proportional zur Anzahl der anwesenden Kinder, Jugendlichen usw. Ich habe dann den ausdrücklichen Wunsch die entsprechenden Gören zu verprügeln, treten, beißen und psychisch fertig zu machen. Das mache ich natürlich nicht, ich lasse sie so schnell wie möglich hinter mir. Ich weiß sehr genau, woher das kommt und sehe da wenig Chancen diese Entwicklung noch entgegen zu wirken.
Entspannen tue ich mir dann erst wieder, wenn das „Kind“ bereits ausgewachsen ist und halbwegs vernünftig handelt. Also irgendwann nach der Pubertät.
Bei Kinder zwischen 8 Monaten und 5 Jahren wird es dann nebenbei kompliziert: wenn sie gerade anfangen auf ihre Umwelt zu reagieren, da hab ich Spaß. Ich schneide furchtbar gerne Grimassen (wenn keiner hinschaut), kann das aber echt nicht gut. Den Würmern ist das aber egal, die freuen sich trotzdem über die komische Tante.
Leider verwächst sich das wieder. In der Fremdelphase sind mir Kinder dann wieder egal, in der Grenzenaustestphase bin ich furchtbar genervt und ich der Jeden-Scheiß-Fragen-Phase bin ich voll die Erklärtante. Aber: ich muss quasi gar nicht überlegen, in welcher Phase das Kind nun steckt. Unsere Gefühle sind stets gegenseitig. Das Fremdelkind meidet mich sowieso, das Fragkind fragt mir einen Loch in den Kopf und das Grenzenaustestkind sieht mich an und fängt an zu heulen. Nur bei mir. Ich muss es nur ansehen, schon gehts los. Bei allen anderen (auch fremden) Menschen ist es voll Feuer und Flamme und testet halt seine Grenzen aus.

So 100% kaputt ist mein Mutterinstinkt aber nicht. Haltet mir einen Welpen, einen Hirsch, einen Wolf, einen weißen Hai oder irgendwas anderes Niedliches vor die Nase und es geht los mit OOOOOOOH ICH WILLS HOCHNEHMEN! DARFICHDARFICHDARFICHDARFICDARFICH? OOOOH SÜSS ICH WILLS BEHALTEN, GEB ICH NIE WIEDER HER… GUTSCHIGUTSHCIKU!. Kein Plan was bei mir schief gelaufen ist. ¯\_(ツ)_/¯

Nachdem ich nun ausdrücklichst und ausführlichst erklärt habe, warum bei uns kein Kind ins Haus kommt…
Was wäre, wenn DOCH?

Man muss dazu sagen, dass Mannmann furchtbar ordentlich ist. Da hat alles seinen Platz, aus der Reihe tanzende Dinge nerven ihn furchtbar und alles muss schön gerade und geordnet sein.
Ich dagegen bin das wandelnde Chaos. Ich mach Dinge dreckig und unordentlich, ohne das ich sie berühre. Betrete ich einen klinisch reinen Raum, liegt 1 Minute später garantiert überall Staub.
Man stelle sich nun vor, dass diese beiden… ärhm… „Fähigkeiten“ in einem Kind vereint sind. Man stelle sich vor, das Kind würde tatsächlich erwachsen werden (nicht wegen seiner labilen Mutter, sondern wegen deren Erbgut der Tollpatschigkeit). Es würde sogar ALT werden. Und ist dann bei Leuten zu Gast. Und dann ist da… ach schaut euch einfach das Video an. 😀

PS:
Mannmanns Erbgut sorgt für die unpassende Musik. Bei mir persönlich würde Der Ritt der Valkyren laufen. 😀

Erste Absage

Gut, so wirklich hatte ich nicht mit einem Erfolg gerechnet, wenn ich mich beim Psychodoc bewerbe. Aber es nervt mich ungemein, dass er sich mit den Nein so schwer getan hat und dieses hauptsächlich auf dem Arzt-Patienten-Verhältnis beruht. Nicht, dass ich ihn da nicht verstehen würde. Ganz im Gegenteil – genau aus diesem Grund habe ich eben mit einer Absage gerechnet. Mich nervt aber, dass ich – WENN ich denn nicht bei ihm therapiert würde – ein recht hohe Chance auf Einstellung hätte. Ob er es dann tatsächlich in Betracht gezogen hätte, bleibt dabei natürlich offen. Suchen tut er nämlich keine MFA und daher wäre auch dadurch ein „nein“ recht wahrscheinlich.

Naja, kann man nicht ändern.
Aber er hat mich nochmal darin bestärkt, dass ich in die Fachhochschule gehe. Die (schulische) Reife dafür hätte ich – aber im Gegensatz zu ihm traue ich mir das nicht zu.
Zwar gibt es hier vor Ort eine Fachhochschule, die recht vielfältige Berufe integriert, von denen mich sogar einer interessiert, doch scheitert es da an Geldmangel. Schulisches Bafög hin oder her. Noch dazu wollen sie fünf Probearbeiten sehen, von denen ich nicht mal wüsste, wie ich sie ohne entsprechende Software gestalten soll. Und ich wüsste zumindest eine Stimme, die mich eher scherzhaft davon abraten würde, weil ich so ein Unsinn mit Serifen und Nichtserifen verzapfe. *höhö*

Naja – nächste Woche geht es ins BIZ. Mal sehen was die dazu sagen. Vielleicht haben die ja genau DEN Job für mich – also nicht im Angebot sondern im Sinne von „das passt auf Sie wie die Faust aufs Auge!“. Auch daran glaube ich nicht, aber mal soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

Aber wenigstens das ist gewiss:
Wenn ich Widerspruch auf die Krankenkasseentscheidung einlege, dann würde mich der Doc unterstützen. Ist auch etwas wert.

Fundstück: Weltuntergangszenario

Über drei Ecken habe ich folgende Tabelle gefunden:

In der Regel stehe ich über so etwas – oder versuche es. Ich bin sehr sensibel, wenn es um… äh… Fictionen geht. Horrorfilme – und sind sie noch so albern – kann ich nicht sehen. Ich habe danach immer Angst, dass das Monsterding tatsächlich vor der Tür steht. Egal wie abstrakt und unwahrscheinlich es ist. Ich habe z.B. vor mehr als 20 Jahren mal zufällig die Endszene von Der Blob gesehen. Darin sieht man unter anderem wie sich die alles verschlingende Kugel unter einer Tür durchquetscht. Ich hege heute noch ein ungesundes Misstrauen gegenüber Türen, die am Boden nicht bündig abschließen. Und das geht mit echten Angstreaktionen einher. Also Herzklopfen, schwitzige, kalte Hände, zittern, Angststarre, Beklemmungsgefühle und was es sonst noch so gibt.
Das macht echt keinen Spaß. Und entgegen aller Vernunft und besseren Wissens passiert das auch heute noch. Ich hab mich mal dazu überreden lassen Freddy versus Jaison oder Alien zu schauen. Das. War. Nicht. Gut.
Nicht das ich WÄHREND des Films Angst hatte. Nein. Da habe ich jede Menge Spaß gehabt. Aber die Alpträume und wachen Nächte noch etliche Jahre später sind es halt nicht wert.
Die einzige Ausnahme in dieser Regel sind nebenbei Werwölffilme. Die bereiten mir oft genug auch Alpträume, aber dann geht es eher um furchtbar schlechte Kostüme oder Animationen der Pelzträger. Ich bin da nämlich eigen und kann mich stundenlang aufregen, wenn die niedlichen, süßen, blutverschmierten, mordenden und putzigen Werwölfe nicht gut aussehen.

Entsprechend habe ich dann auch auf den Film 2012 reagiert. Fand ich VOR dem Film den Gedanken an eine Maya-Apokalypse albern – zumal da irgendwas mit verrechnet und sollte längst passiert sein durch die Nachrichten gingen, hatte ich NACH dem Film wirklich keine schöne Zeit. Am Stichtag – kein Plan mehr wann das war – habe ich mich zu Hause unterm Tisch versteckt und gehofft, dass es bald vorbei ist. Echt nicht lustig. Wirklich nicht. HÖRT AUF ZU LACHEN!

Nein im ernst – ich weiß, dass ich da oft genug einfach nur megaalbern bin, kann es aber nicht kontrollieren oder beeinflussen. Und vernünftig sein kann ich schon gar nicht, wenn ich mal wieder überängstlich auf die Tür starre und mir einbilde, dass da gerade eine Kugel durch den Schlitz kommt. Brr!

Aber zurück zur Tabelle. Wie gesagt:
Solange ich keine Filme, Bücher oder ähnliches dazu konsumiere, stehe ich drüber und erkenne die Albernheiten und Unwahrscheinlichkeiten. Gut, bei allen was mit dem All aussieht, empfinde ich eine ordentliche Grundangst – einfach weil mir dazu jeder sinnvolle Bezug zu fehlt und ich schon bei Dokumentationen über die mögliche Entstehung des Universums leichte Panikanfälle bekomme.

Was mich also an der Tabelle stört?
Dass zwei Optionen, und die habe ich rot markiert, immer wahrscheinlicher werden. Auch wenn sich David Cook um ca. 70 Jahre verschätzt hat. Könnte der Weltuntergang bitte noch ein wenig warten? Gerne bis nach meinen physiologisch-natürlichen Tod bitte. Danke. 😐
Es hilft nebenbei nicht, dass Nostradamos Prophezeiungen extremst wage und interpretationsweit sind. Ich wieß das nämlich. Hilft trotzdem nicht.

Wer mehr wissen will, darf sich in der Hauptquelle austoben.

Agentur für (keine) Arbeit und sonstiges

Entsprechend der Weisung des Schreibens meiner Krankenkasse, war ich heute brav bei der örtlichen Agentur für keine Arbeit, um mich arbeitslos und pseudogesund zu melden.
Da ich mich bereits beim Erhalt der Kündigung bei der Arge vorgestellt hatte, konnte ich die Bescheinigung des Arbeitgebers gleich aushändigen und habe so zumindest etwas Zeit gespart, in der ich ohne Geld auskommen muss.
Nach kurzen Erstgespräch teilte man mir mit, dass ich MEINEN Teil nun online ausfüllen müsse und ich das nicht – wie ich mir wünschte – direkt vor Ort machen könne. Typisch deutscher Behördenblödsinn. Ich finde es zwar wirklich super, dass man das nun auch online machen kann, dass man das aber nur noch ausschließlich da darf, sobald man einen „internetfähigen Rechner“ zu Hause zu stehen hat, empfinde ich als groben Un- und Dummfug. Naja, kann man nicht ändern.

Netter Weise durfte ich gleich ins Besucherinfozenter und mir das erste persönliche Beratungsgespräch antun.

„Frau Unsoziale, Sie waren also bis gestern krank geschrieben und sind nun wieder arbeitsfähig.“
„Behauptet zumindest die Krankenkasse.“
„Ah! Sie wurden durch den MDK wieder gesund geschrieben?“
„Schön wäre es. Nein, durch meine Krankenkasse höchst persönlich.
„????“
„Nach Aktenlage…“
„Aaaaaah… na jetzt ergibt das natürlich Sinn.
Fühlen SIE sich denn wieder arbeitsfähig?“
„Nein.“ Okay, das war zum Großteil gelogen. Ich habe tatsächlich darüber nach gedacht, mich langsam und ohne Zeitdruck nach einen neuen Job umzusehen, um mich dann, sobald das entsprechende Verhältnis zu einem bestimmten Zeitpunkt besteht, wieder gesund schreiben zu lassen. Aber das muss ich der Arge ja nicht auf die Nase binden und – was viel wichtiger ist – ich habe den frühstens möglichen (!) Wiedereintritt ins Arbeitsleben auf Juli/August geschätzt. Jede Pause bis dahin kam mir recht um meine Batterien auch weiter aufzuladen – aber das war es nun gewesen.

Im weiteren Verlauf des Gespräches besprachen wir, dass ich eine Schweigepflichtentbindung für die behandelnden Ärzte unterschreibe und das man mich dann doch noch durch den Medizinischen Dienst durchchecken lässt. Wichtig ist halt, ob ich psychisch der hohen Anforderung überhaupt noch standhalten kann (von wollen kann hier keine Rede mehr sein – nichts gegen Stress über gewisse Zeitfenster, wenn Kollegen krank sind oder Urlaubszeit ansteht, aber dauerhaften hohen Stress: nein!), meinen Beruf weiterhin ausführen sollte oder ganz wechseln sollte.
Das ich nicht mehr direkt in eine Großpraxis gehen mag, habe ich auch direkt erklärt und dabei auf meinen BurnOut verwiesen. Backoffice oder eine kleine Praxis kann ich mir (zumindest vorerst auf die Schnelle, um einen Job zu haben) aber durchaus vorstellen.
Da muss man dann aber weiter sehen, da ich noch ein zweites intensives Gespräch mit meiner Betreuerin führen soll, die heute leider nicht im Haus war.

Direkt nach der Arge bin ich dennoch zum nächsten Fotoladen und habe mir dort Bewerbungsfotos machen lassen. Das „Aktuelle“ ist inzwischen fast 10 Jahre alt, da wird es mal Zeit für was Neues. Anschließend habe ich bei der Krankenkasse angerufen, ob sie denn noch eine Arbeitsunfähigkeitsendbescheinigung bräuchten, wenn sie mich denn schon gesund schreiben würden oder ob sie mir einfach so das Geld automatisch bis zum 01.05.2016* überweisen würden. Natürlich wollte man eine Endbescheinigung haben, war ja klar. Kostenlos gibt es kein Geld. Määh.
Aber auch das ist geklärt und so darf ich mir morgen meine AUEB beim Hausarzt ab hohlen – ausnahmsweise mal ganz unkompliziert.

Meinen Psychodoc habe ich leider nicht mehr erreicht, aber da steht der nächste Termin Montag an. Ich bin mal gespannt, was DER dazu sagt.

Nebenbei hatte er mir mal eher im Scherz eine Stelle angeboten. Ob ich einfach mal frech nachfrage, ob er eine MFA braucht? 😀

PS:
Mein Telefon ist scheiße. Nur weil beim Hausarzt dauernd besetzt war und ich ungefähr 50.000 Mal auf die Wahlwiederholung gedrückt habe, ist der Akku leer!

*= Ich hatte mich da Samstag tatsächlich vertan, was mir aber erst heute aufgefallen ist.
Laut der Krankenkasse bin ich erst ab heute und nicht seit gestern wieder gesund. Macht es jetzt auch nicht so viel besser aber immerhin.

Ich, das Naivchen

Mannmann hat ein Hobby. Dieses nennt sich „Tucktuck verarschen“. Tucktuck – das bin ich. Und ich lasse mich immer sehr gut verarschen.

Wenn Mannmann mir Dinge erklärt, dann glaube ich ihm das. Jedes einzelne Wort. Mir kommt nicht mal in den Sinn, dass er gerade lügt. Höchstens, dass er sich irrt – das kommt aber nur dann vor, wenn ich es mal besser weiß. Darum sucht sich Mannmann immer Themen aus, wo das definitiv nicht der Fall ist. Und ehrlich: da hat er VIEL Auswahl, denn mit meiner Allgemeinbildung ist es nicht weit und die, die ich hab, konzentriert sich auf die wenigen Dinge, die mich mal interessieren.

Ein genaues Beispiel kann ich nun nicht nennen, aber nehmen wir mal ein Beispielbeispiel.
Mannmann erklärt mir, dass Bäume verkehrt herum wachsen. Also die Krone eigentlich die Wurzel und die Wurzel eigentlich die Krone ist. Da ich es hier eigentlich besser weiß, würde ich darauf nicht hereinfallen, aber nehmen wir mal an, dass ich noch NIE einen Baum gesehen habe. In meinem ganzen Leben nicht. Und auch andere baumähnliche Konstrukte – wie Blumen, Sträucher und anderes Gebüsch – sind mir vollkommen fremd.
Mannmann würde erklären, dass die Wurzeln oben sind, weil ein Baum hauptsächlich von Sonne und Regen lebt und somit die empfindlichsten Teile nach oben schickt, denn dort fallen die Nahrungsmittel zu erst hin. Die empfindlichsten Teile vom Baum – also die Blätter – müssen dagegen geschützt werden und das macht man am besten unter einem dicken Schutzschild: der Erde.
Er würde dann noch etwas wissenschaftlicher werden und irgendwas mit Chlorophyll und Harz erzählen, um es authentischer zu machen.
Und ich? Ich sitze mit großen, staunenden Augen daneben und versuche mir den Kopfsteherbaum vorzustellen. Am nächsten Tag würde ich zu einem Leute gehen und ihm von dem Kopfsteherbaum erzählen. Und wenn er mir nicht glauben würde, wäre ich furchtbar erbost über seine Uneinsichtigkeit.

Der Einzige, der mit den Zahn wieder ziehen kann, wäre Mannmann selbst. Der amüsiert sich bis dahin aber köstlich über mich und lacht sich bei der Aufklärung immer einen Ast ab.
Laut meiner Schwägerin liebt er mein Gesicht, dass ich während der Geschichte und vor allem bei der Aufklärung zu machen pflege. Ich bin nämlich eine talentierte Grimassenschneiderin – auch wenn ich das eher unbeabsichtigt mache.

Genau so – aber bei weitem nicht so heftig – funktioniert das auch bei jeden anderen Menschen.
Wenn mir Frau X zum tausensten Mal erzählt, dass sie ihre Tabletten verloren hat oder ihre Tasche geklaut hat, dann stelle ich ihr leichtgläubig ein neues Rezept aus. Gut, wenn hier weniger leichtgläubige Kollegen eingreifen. Wenn jemand was erzählt, was alle anderen tierisch aufregt, weil das eine olle Angebernase ist, dann verstehe ich meist nicht wieso, weil ich nur die Erzählung sehe und nicht zwischen den Zeilen lesen kann. Lügen, Halbwahrheiten? ja, ich weiß das es so etwas gibt. Aber ich sehe mich instinktiv nie als Betroffene. Das braucht schon gehörig Denkarbeit meinerseits bis ich misstrauisch werde. Insbesondere wenn die Geschichten aus vertrauenswürdigen Quellen – wie meine Mutter, Freunde, Familie und so – kommen.

Ähnlich ergeht es mir mit Nachrichten, Blogs und co. Verwirrend wird es vor allem, wenn zwei Quellen über ein und die selbe Sache vollkommen unterschiedlich berichten. Ich will nämlich immer beiden glauben – und nicht immer lässt sich das vereinbaren. In der Regel bekomme ich dann Kopfschmerzen.

Ein wenig begründet sich dadurch meine Paranoia. Naivchen sein und es nicht merken ist wesentlich einfacher als Naivchen sein und durch die Reaktion der anderen Leute feststellen, dass man mal wieder viel zu vertrauenswürdig war.
Als Letztes fängt man dann nämlich an zu hinterfragen. Und zwar ständig. Man neigt dazu, bei jedem das gute zu sehen und hinterfragt, ob es nicht doch bitterböse gemeint war. Dadurch weiß man erst recht nicht mehr, was man glauben soll und was nicht. Wenn Müpfi sagt, dass sie mich voll lieb hab… gelogen oder nicht? Wenn die Bessere meint, ich kann voll gut schreiben… gelogen oder nicht? Wenn Mannmann sagt, ich sei süß… gelogen oder nicht? Wenn der Spiegel schreibt, die Flüchtlingskrise sei beendet… gelogen oder nicht? Mein Instinkt sagt nicht gelogen, mein Verstand sagt gelogen, mein Bauchgefühl summt Tetris.
Erfahrungsgemäß treffe ich oft genug nicht die richtige Wahl. Da habe ich etwas als Lüge klassifiziert, was voll ernst gemeint war und andersherum. Darum schwanke ich gerne von ein Extrem in das Nächste. So glaube ich ein paar Tage lang jeden alles und wenn er behauptet, es regnet U-Boote vom Himmel, und dann wieder unterstelle ich jedem, dass er mich anlügt. An Sicherheit fehlt es aber so oder so komplett.

Und ich selbst?
Wenn es drauf ankommt, dann kann ich nicht lügen. Ich platze regelrecht mit der Wahrheit und mit nichts anderem als der reinen Wahrheit heraus. Selbst wenn die (Not)Lüge die bessere Wahl gewesen sei. So sagte ich D-Mann #1 er sehe mit seiner neuen Brille voll idiotisch aus, anstatt feinfühlig zu loben, denn er tat sich schwer damit, nun zu den Brillenträgern zu gehören. Als mein Bruder das erste mal einen verhassten Anzug anziehen musste? „Siehst du bescheuert aus!“ anstatt „Wow, der steht dir!“ zu sagen.
Notlügen, Halbwahrheiten und echte Lügen kommen daher nur, wenn ich wirklich lange und ausführlich darüber nachdenken konnte und dann sind sie nicht schlüssig oder glaubwürdig. Klappen tut das nur, wenn ich die Lüge selber glaube.

Wenn WMF also fragt, wie es mit der Wahrheit bei mir im Blog aussieht, dann so:
Ich schreibe nur, was sich selber glaube, gemixt mit der einen oder anderen Minilüge, die aber niemanden schadet und letztlich nur der Anonymität dient.

Es schneit

Es ist April, okay. Aber… am Freitag bin ich zum Psychodoc, zum Nichtreal und zur Packstation gelaufen und musste da meine Übergangsjacke ausziehen, weil es zu warm war. Geschwitzt wie ein Schwein hab ich.

Und heute würde ich am liebsten die Sicherung der Nachtspeicheröfen wieder reindrehen.

WTF Wetter?