Staffellauf

Am Donnerstag bekam ich mal wieder einen Brief meiner Krankenkasse. Man nahm meine Neualterkrankung zur Kenntnis und wolle das mir vorliegende Gutachten haben, um die Sachlage besser beurteilen zu können.

Verständlich. Aber mir lag das Gutachten gar nicht vor, sondern nur ein Teil davon.
Alles kein Problem, ich wollte Freitag zur Arge laufen.

Das klappte dann nicht, weil mein Kopf einen Strich durch die Rechnung machte. Kennt ihr Clusterkopfschmerzen?
Das ist ein sehr fieser Schmerz, der die Stärke einer Migräne nicht nur erreicht sondern diese um Längen übertrumpft. Eine Migräne fühlt sich im Vergleich zum Cluster an wie ein leichter Klaps auf die die Hand. Und genau wie Migräne zeigt er Schmerzmitteln den Stinkefinger – selbst die Spezialmedikamente und angeblich auch Betäubungsmittel können ihn nicht abmildern. So stelle ich mir den Schmerz eines Schlaganfalls vor. Zumal der Cluster mit unter ähnliche Begleitsymptome hat (einseitiges, hängendes Augenlid zum Beispiel).
Der Vorteil des Schmerzes ist seine Kürze. Er hält sich wenige Minuten bis 3 oder 4 Stunden. Okay – die sind Horror pur, aber man stelle sich das mal auf die Länge einer Migräne vor. Danach fühlt man sich noch ein wenig gerädert und die Konzentrationsfähigkeit hat gelitten. Oft kommen noch andere Kopfschmerzen – vor allem Verspannungsvarianten – hinterher, weil Cluster einfach purer Stress ist.
Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass Cluster oft getriggert wird. Er hat also einen festen Auslöser – ähnlich wie bei einer Allergie, wo z.B. Weizensamen eine Heuschnupfenallergiereaktion triggern. In meinem Fall kann ich die Auslöser nicht umgehen, denn meiner ist Schlaf. Das heißt, ich wache auf und habe diese furchtbaren Kopfschmerzen. Zudem ist er dann auch noch höchstempfindlich auf Bewegungswahrnehmung (also sobald mein Innenohr Bewegungen welcher Form auch immer wahrnimmt) und Druck – wie z.B. wenn mein Darm entschließt sich zu entleeren. Passiert zum Glück sehr selten, ich kann noch nicht mal von jährlich sprechen.
Freitag war es dann so weit. Und weil Cluster noch nicht genug ist, kam auch gleich noch Durchfall dazu. DAS war mal so richtig scheiße. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Auf den Gang zur Arge habe ich dann doch verzichtet, auch wenn es mir innerhalb der Öffnungszeiten wieder besser ging.

Also habe ich mich heute fertig gemacht und durfte feststellen, dass mein Personalausweis verschwunden ist. Zuletzt hatte ich ihn im Mai bei der Arge. Großes Kino. Zum Glück habe ich weder Fingerabdrücke noch Internetzeugs freigeschaltet, aber der Ausweis war noch kein Jahr alt.

Dennoch bin ich meiner Pflicht nachgegangen und nahm das Schreiben der Krankenkasse, eine Schweigepflichtentbindung sowie die Freibriefumschlag mit. Dort angekommen sollte ich direkt zum Medizinischen Dienst. Dieser empfing mich auch, konnte mir aber ohne aktuellen Perso nicht weiterhelfen. Der Alte reichte da leider nicht aus (ja, den hab ich noch), aber man beratschlagte sich zu dritt was man machen könnte. Am Ende lies ich die Schweigepflichtentbindung dort und nahm den Rest wieder mit. Ohne aktuellen Perso können sie mir das Gutachten nicht aushändigen (verständlich) aber ohne direkte Anforderung von der Krankenkasse können sie dieses auch nicht dorthin schicken. Mist.

Auf dem Rückweg bin ich direkt ins Personalausweisamt spaziert, habe neue hässliche Fotos gemacht (das triffts in meinem Fall besonders… nicht nur wegen Biometrie, sondern auch weil ich durch meinen Spazierrennmarsch aussah wie ne Irre… das lässt sich aber kaum verhindern, weil… so sehe ich nun mal aus nach nem Spazierrennmarsch verdammt) und habe mir eine Wartenummer gezogen. #120 – oookay.
Auf die Anzeigetafel geschaut, wo man gerade so steht.
#27.

Drei Stunden später (oder so) saß ich vor der selben Dame, die mir im September den verlorenen Ausweis hergestellt hatte. Aufgrund einiger ihrer Eigenarten ist sie mir in (guter) Erinnerung geblieben. Das will was heißen. Sie nahm eine Verlustanzeige auf (diese ist Pflicht) und wir erledigten den ganzen Kladderadatsch für die Neuausstellung. Von einem vorläufigen Ausweis riet sie mir aber, sofern ich diesen nicht unbedingt benötigen würde – kostet nämlich nochmal extra. Ich verzichtete darauf.
Fast 30€ ärmer durfte ich dann endlich nach Hause.

Unterwegs sorgte meine Angewohnheit, an grünen Fußgängerampeln nochmal nach links und rechts zu schauen, dafür, dass ich den Tag unbeschadet überlebte. Da kam nämlich ein Idiot wie ein Irrer um die Ecke gerast (die Ampel steht direkt hinter einer Kurve) und kam gerade so zum stehen. Auf meinen Schreck stapfte ich dann einfach los und erkannte erst nach zwei Schritten, dass meine Ampel nun inzwischen rot war. Was natürlich für ein Kommentar des Fahrers sorgte. Tja sorry – er war trotzdem Schuld. Er war eindeutig zu schnell für die Ecke und erschreckt hatten wir uns Beide. Wäre ich nur eine Sekunde früher an der Ampel gewesen, hätte ich auch schon auf der Straße gestanden.

Trotz Schreck rief ich dennoch direkt bei der Krankenkasse an und erklärte die Sache.
Da meine Schweigepflichtentbindung bereits vor Ort ist, werden sie nun das Gutachten von dort anfordern. Hat doch auch was.
Dennoch fragte mich mein Bearbeiter nach Frührente. Ährm. Nein. Bitte nicht. Ich will doch gerne irgendwann wieder arbeiten. Danke.

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