Feedback: Mein Hund, dein Hund

Als ich letzte Woche bei den Eltern war, konnte ich auch mal wieder durchs aktuelle fernsehprogramm zappen. Mache ich normaler Weise nicht, da ich keinen Fernsehen habe und meine Serien über Stream beziehe.
Dabei bin ich auf Vox auf die neue Serie „Mein Hund, dein Hund“ gestoßen und bin natürlich direkt hängen geblieben. Immerhin ist der Hundeprofi eine der Sendungen, bei denen ich mir freiwillig das wirklich hässliche Streamingangebot der RTL-Gruppe – TV-Now – antue. Hundeprofi gibt es halt nur da. Und „Mein Hund, dein Hund“ leider auch.

Die Sendung wagt den Mix zwischen Laien-Hundeprofi und Frauentausch. Zwei Hundehalter schauen sich einen Tag lang die Erziehungsmethoden und Alltag des jeweils anderen an und am dritten Tag gibt es Feedback. Die Hunde bleiben natürlich in ihren Rudeln aber man bringt gezielt Gegensätze zueinander.
So waren es in der ersten Folge eine Schutzhundausbilderin mit mehr als 5 Hunden (allessamt diverse Schäferhunde, z.B. Deutscher oder Belgier ) und einem schwulen Pärchen mit verwöhnten Basset.
Die Schutzhundausbilderin geht dabei mit sehr strengen und klaren Ton voran, die Hunde wissen aber, was sie zu tun haben und haben eine Beschäftigung. Dafür teilen sich die meisten Hunde einen kleinen, wirklich kleinen, Hof samt Schweinestall, während die beiden Lieblinge mit ins Haus dürfen. Zur Schutzhund-Ausbildung kann man sagen was man will, aber die Haltungsform fand ich äußerst kritisch.
Der Basset dagegen durfte den ganzen Tag im Friseurladen (ja, die beiden Männer haben ein wenig die klassichen Klischees bedient), wurden hier und da verwöhnt und musste nur dann hören, wenn man gerade was tolles in der Hand hat (wie Cerberus quasi, nur mit mehr Ohr pro Ohr).

In der gestrigen Folge stießen eine Pudelzüchterin, die auch ehrenamtlich in der Rettungshundestaffel arbeitet, auf eine Familie mit zwei Verwöhn-Wauwaus.
Während die Züchterin mit ihren Königspudelrüden auch auf Ausstellungen ging (was nun mal zur Züchtung im Verein irgendwie dazu gehört), belächelt die zweite Familie dies. Dafür darf der Minihund (k.P. was das ist) der Verwöhnfamilie auf die Couch, während der Goldy („Mann wollte einen großen Hund.“) nicht mal die Ecke betreten darf. Sie erklären es zwar als „Schutzsone“ für Minihund, was ich durchaus wichtig finde – jedes Tier braucht seinen eigenen Ruheort, an den er sich zurück ziehen kann – aber das Sofa ist mal so ziemlich das schlimsmte, was man machen kann. Während nämlich alle mit Mini-Hund kuscheln, wird Goldy ausgeschimpft, wenn er zu Nahe kommt.

Dazu sind beide Tiere nicht ausgelastet und bekommen keine echte Regeln. Ziehen an der Leine, damit Herrchen hinterher fliegt? Ist nicht schlimm, nehmen wir die Zugleine, damit er das noch mehr lernt. Mini-Hund, der angeblich nicht gern Gassi geht (ernsthaft?), kennt dafür keine anderen Hunde und verbellt die massivst. Ich glaube Rütter würde gerne in den Fernsehen springen, wenn er diese Familie sieht. *g*

Im Gegenzug jammern die beiden Besitzer dann genau über die Pudel. Die alle drei natürlich geschoren sind. Liebe Hunde-Unkenner und Pudel-Feinde: diese Hunde MÜSSEN geschoren werden, das sind nämlich super Allergikerhunde: sie werfen ihr Fell nicht ab… aber die Haare wachsen und wachsen und wachsen – muss also ab. Über die Sinnhaftigkeit der Löwenschur (DIE Vorurteilfrisur, wenn man an Pudel denkt) kann man streiten – hier spielt aber auch die Arbeit als Deckhund und Ausstellung eine Rolle, was man nicht vergessen darf.
Nichts desto weniger waren die beiden Verwöhner furchtbar bevorurteilt. Pudel sind nur „schickimicki“, dass das aber ECHTE Arbeitshunde sind, die ausgelastet werden wollen (und müssen), da denkt keiner dran. Im Prinzip behaupten sie sogar, dass ein Königspudel nicht wirklich für den Rettungsdienst geeignet sei – obwohl Pudel höchst intelligent sind. Ernsthaft.
Dann haben die drei Pudel mit Frauchen gespielt – und zwar wirklich schön, aktiv, begeistert, schnell – und den beiden Verwöhnern ist das zu hektisch, zu schnell, zu gefährlich. Und dann haben die sich einen GOLDEN RETREVIER angeschafft. Einen begeisterten Apportierer, Sporthunde, Viel- und Gerneschwimmer, Staubsauger beim Fressen usw. usf. – herrlich dumm. Sorry!
Dann mäkeln sie auch noch über den Welpenauslauf. Weil da ein Trampolin steht. Oder ein Tunnelelement. Leute, das muss so! So werden die Welpen am besten auf den Alltag vorbereitet (okay, über die gewählten Objekte kann man letztlich streiten, aber wichtig ist es!). Und dann jammern sie, dass Obst und Gemüse pürriert wird – das kann der Hund doch so essen. Wer das wirklich glaubt: Nicht wirklich. Hunde brauchen zwar pflanzliche Kost, aber ihr Verdauungstrakt ist nicht wirklich darauf ausgelegt. Wilde Verwandte nehmen die pflanzlichen Anteile durch die Gedärme ihrer Beute zu sich. Vorverdaut. Und damit halt pürriert. 😉

Aber ich rede mich in Rage. Man merkt – ich kann Hundehalter, die sich nicht mit Hunde beschäftigen, nicht ausstehen. Also das ein Hund durchaus seinen Kopf durchsetzen darf und auch mal verwöhnt wird… okay. Aber hier wird ja wirklich gar nichts für die Hunde gemacht.

Aber es geht nicht nur um diese beiden Parteien – es kommen noch mehr. Ein paar (hundehaltende) Zuschauer gibt es auch noch, die sich die Sendung quasi vorab ansehen, dabei gefilmt werden und die Handlung kommentieren. Anbei zwei ältere Herrschaften, beides Jäger, einer Tierarzt samt Jagdhund, die ich zum Teil feiere. Die Ansprüche, die sie stellen, decken sich nämlich mit meinen und speziell der Tierarzt haut ab und zu mal spotttrocken irgendwelche Kommentare raus… herrlich. Aber auch zwei ältere Mopsbesitzer, Mutter und Sohn (hoffe ich) mit zwei Hunden (davon einer ein „Haarwunder“), eine Standardfamilie mit Retriever (Labrador?) und zwei Zwillingen mit Goldy (? Geraten), die mir höchst unsympathisch sind (sie wirken nach Hüttidüh!).

Insgesamt:
Bleibt die Frage, inwieweit da das eine oder andere gescriptet ist. Das passiert gerne bei solchen Sendungen. Und dann wird immer ein Buhmann gesucht (wie hier die beiden Verwöhner) und wenn diese nicht zu finden sind, dann werden eben Auflagen gegeben. Ist so bei Frauentausch, ist so bei Schwiegertochter gesucht, wird sicher auch bei Mein Hund, dein Hund so sein.
Ich werde mir die Serien dennoch weiter anschauen. Einfach weil man so auch mal Einblicke in andere Erziehungswege findet. Und ja, auch wenn es gescriptet sein sollte, das kann man sehen. Außerdem kann man tolle Hunde schauen! *.*
Die Pudelbesitzerin macht das zum Beispiel toll. Sie weiß ganz genau, wie ihre Hunde wann reagieren, hat klare Regeln aufgestellt und liebt ihre Hunde heiß und innig.

PS:
Königspudel würde mir nebenbei als eigener Hund auf gefallen. Das sind so schöne und stolze Tiere. Okay, ich würde auf die Löwenschur verzichten, da mir die nicht gefällt (und wie der Tierarzt so treffenden sagte: „Also aus medizinischer Sicht sollte man das im Winter nicht machen – aber ansonsten… wems gefällt und es spricht ansonsten nichts dagegen!“). Interessanter Weise erkennen viele „Pudel sind hässlich!“-Leute erfahrungsgemäß Pudel mit Naturschur oft gar nicht – schon öfter erlebt, wenn ich Pudel schauen wollte. 🙂

PPS:
Wird aber trotzdem Eurasier. Spitze sind halt doch besser als Pudel. ;D

PPPS:
Am Ende erklärte der Verwöhner (Lehrer), dass man nur trocken füttern sollte, weil im Nassfutter Bakterien und so sind, die das Verhalten des Hundes negativ beeinflussen (Richtung Wolf)…
Kommentar der Mopshalterin: „Ich hoffe, dass der nicht Biologie-Lehrer ist!“
„Hannebücher Schwachsinn!“ vom Tierarzt.
„Oh bitte sei gescripptet!“ – die Unsoziale.

PPPPS:
Uff… Viele Links!
Die meisten führen auf die entsprechenden Wikipediaartikel!
Das Löwenschurbild stammt von Urpudel

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