Home, sweet Home

Achja. Immer wenn ich bei meinen Eltern war, weiß ich wieder, warum ich froh bin, dann doch recht weit weg zu wohnen. Nicht, dass ich meine Eltern nicht lieb hab, aber sie sind furchtbar anstrengend. Die ersten Worte meiner Mama waren „WIE SIEHST DENN DUUUU AUS?“ anstatt guten Tag, weil ich ein wenig viel zugenommen habe. Okay, ein wenig arg viel. Ich muss dringend abnehmen. Anschließend entwickelte sich jedes vier-Augen-Gespräch zur Diätberatung wider willen. Und das von einer Frau, die DEUTLICH mehr wiegt als ich. Pff.
Sie hat ja recht. Aber nerven tut es trotzdem-

Ansonsten war das Wochenende nicht. Der Maibaum wurde aufgestellt und stand auch noch bei der Abreise. Lediglich in zwei Nachbarorte (sofern man bei 40km Fahrlinie noch von Nachbarort reden kann… allerdings liegt dazwischen kein anderer Ort) wurden die Bäumchen gefällt. Interessanter Weise hat die Nachtwache vom 700-Einwohnerort Klein Irgendwas den Baum des 20-Einwohnerörtchens Groß Irgendwas gefällt und die Nachtwache von Groß Irgendwas den Baum von Klein Irgendwas. Wir haben Tränen gelacht, als wird das gehört haben. Vor allem, weil es wirklich die abgestellten Nachtwacheleute waren, die die Bäume stürzen ließen. Obwohl deren Rolle es ist, genau das (am eigenen Baum) zu verhindern.
Und ja, bei meinen Eltern gibt es zwei Orte mit absolut gleichen Namen, wo man einfach nur „Klein“ und „Groß“ drangehangen hat und dann ist der „große“ Ort deutlichst kleiner als der „kleine“ Ort.

Wer damit nichts anfangen sollte:
Jedes Jahr zu Pfingsten wird ein Mai- oder Pfingstbaum aufgestellt. Meist ist das ein wiiiiiiiiiirklich langer, kahler Stamm, an den man oben einen Zweig mit grünen Blättern und ein paar bunte Stofffetzen angebunden hat. Der Baum wird am Pfingstsamstag aufgestellt und in der Nacht mit riesigen wegen dem gesetzt eher mickrigen Feuer und viel viel Bier befeiert. Bleibt der Baum über diese erste, kritische Nacht stehen, steht er da noch wochenlang (irgendwann wird der auch abgebaut, meist auch mit viel Bier, aber kein Plan wann) und alles ist gut. Fällt der Baum, ist das jeweilige Dorf das Gespött der umliegenden Ortschaften. Eventuell war da früher mal was mit Pech, Glück, Segen und so – aber inzwischen gehts wirklich nur noch um Spott und Hohn.
Da die Bäume in der Regel bombenfest stehen – schon aus Sicherheitsgründen – hilft man dann eben nach. Da geht dann die Jugend aus Dorf A ins Dorf B und haut deren Maie um. Unterbunden werden kann das nur, wenn Dorf B an seiner Maie eine Nachtwache aufstellt, die das Bäumchen von Sonnenuntergang vom Feierende bis zum Sonnenaufgang Ende des Frühshoppens bewachen. Zeitgleich zieht natürlich Dorf B los, um die Maie von Dorf A oder C zu fällen. 😉
In der Regel bleiben die Bäume nebenbei stehen. Unter anderem deswegen, weil der Altersdurchschnitt der Dörfer inzwischen zu hoch ist und niemand mehr mitten in der Nacht losdackeln will. Eine zweite Regel besagt, dass ein einziges Dorf von diese Sitte inzwischen ausgenommen wird. Dort ist nämlich mal das große Unglück passiert und der Baum ist auf einen der Häuser – bzw. DEM Haus… also dem mit der Glocke und der Orgel da – gelandet und hat nicht gerade wenig Schaden angerichtet. Seit dem stellt das Dorf nur noch einen Winzling auf (3 Meter) und wurde von den Reigen höflichst ausgeschlossen, da niemand den jüngsten Mitgliedern der entsprechenden Gemeinde (67) die Nachtwache zumuten will. Gut, man hatte noch vorgeschlagen, dass der Betriebswirt, der zwar in dem Ort seinen Kuhstall betreibt dort aber nicht wohnt, einfach einen seiner Stiere auf die Wiese lässt. Aber irgendwie schien niemand so erpicht von der Idee zu sein den Stier wieder in den Stall zu bugsieren.

Wir waren ansonsten noch griechisch Essen und ich bin immer wieder begeistert. Die Preise unterscheiden sich auf den ersten Blick zwr nicht wirklich vom Westen, dafür aber die Portionen. Stellt euch einen 35cm-Durchmesser-Teller vor, wo auf fast allen Seiten das Essen noch rüberragt. Meine Folienkartoffel zum Rumpsteak… in der Regel bekommt man eine etwas mehr als faustgroße-Kartoffel… dieses spezielle Exemplar hatte die Größe meines Kopfes.
Entsprechend haben wir nicht aufgegessen (aber ein Eis passt immer) und uns was mitgeben lassen. Opa hat von seinem Hecht (in der Karte stand EIN Hecht, tatsächlich waren es drei) heute noch gegessen. Omma hat Sonntag alle mit „Opa gehts nicht gut!“ verrückt gemacht, denn Opa hat ja nun schon zwei Herzstillstände gehabt und so war niemand wirklich erfreut über diese Worte. Letztlich stellte sich „Geht es nicht gut“ als „VERDAMMT HILDE! ICH HAB KEIN HUNGER!“ heraus. Sicherheitshalber haben wir trotzdem Blutdruck (123/85) und Blutzucker (8,0 NICHT nüchtern) gemessen, was dann in einem Untersuchungsreigen ausartete, weil plötzlich Omma, D-Mann#1 und Zecke auch mal wissen wollte, wie es denn bei ihnen so aussieht. Ich habe mich dem verweigert (Blutdruck ist in Ordnung, aber von der Tachykardie wissen nur meine Eltern, weil sich die Alten sonst verrückt machen) und Muttern sagte einfach, ihr Blutdruck sei eh zu hoch, da müsse sie gar nicht erst messen um das zu wissen.
Achja: abgesehen von uns Verweigerern (und dem Hund) sind alle top fit. Also zumindest was den Blutdruck und die nicht nüchternen Blutzuckerwerte anbelangt.

Beim Umbau der Küche musste ich nicht mithalten, musste aber laut „Ooooh“ und „aaaah“ sagen, als ich Mamas ganzen Stolz – einer Orchidieenfototapette Beachtung schenkte. Später wurde dort eine Pfütze gefunden, weswegen Cerberus ordentlich angebrüllt wurde und halb durch die Pfütze geschoben wurde. Muttern war stinksauer. Zumal der Hund seit Jahren stubenrein war. Theorie: Da ich da bin und Hund nicht mit in die Wohnstube durfte (wo ich nächtigte) und der Hund früher immer bei mir im Bett schlafen durfte (hee! Ich kuschel halt gern!), habe sie nun aus Gnatz da Pipi gemacht. Dann stellte sich heraus, dass das mit Zewa vollgestopfte Abflussrohr nach 40 Tagen anfing zu tropfen. Also zwei Tage bevor es wieder fachmännisch durch einen Abfluss samt zugehörigen Spülbecken verdichtet wird.
Mama hatte dann ein furchtbar schlechtes Gewissen, der Hund hat sich dann aber lieber doch für den Rest des (kurzen) Tages hinter mir versteckt. Sie tat mir ja schon ein wenig Leid. Ich hielt Mama dann noch ein Vortag darüber, das Schimpfen nichts nützt, wenn man Hund nicht auf frischer Tat ertabt, weil sie das nach wenigen Sekunden schon nicht mehr korrekt in Zusammenhang setzen können. Sie wissen nur, dass Frauchen schimpft und sind verwirrt warum. Das fruchtete leider nicht, statt dessen hörte ICH nun einen Vortrag über Diäten. Mhrmpf.

Inzwischen bin ich wieder zu Hause. Mannmann habe mich nicht vermisst, freue sich aber, dass ich wieder da bin. Na wenigstens etwas.
Der nächste Direktkontakt zu meinen Eltern?
Nächstes Jahr, wenn ich 30 werde.

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2 Gedanken zu “Home, sweet Home

    1. Ich stimme dir da zu. Muss aber betonen, das Muttern nicht wirklich LAUT wurde und der Hund nicht unsanft abgefasst wurde. Cerberus war zwar verwirrt und traute meiner Mutter dann erst mal eine Weile nicht mehr, hat sich am nächsten Tag aber ausgiebig von Muttern betüteln lassen (also… hat sich auf ihren Schoß gesetzt, ordentlich Haare gelassen (JackRussels haaren das ganze Jahr und zhwar nicht gerade wenig) und hat Hundegrinsen aufgesetzt).
      Wäre der Boden nicht gerade frisch beschichtet gewesen, hätte sie auch anders reagiert. Denn EIGENTLICH weiß meine Mutter das.

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