„Bitte bewerben Sie sich bei X“

Die Arge schickt einem arbeitslosen Menschen ja gerne Stellen zu, wo er sich bewerben soll. Um zu testen, ob der Nichtarbeiter sich auch wirklich beworben hat, bekommen die entsprechenden Stellen noch ein „Arbeitsloser wird sich demnächst bei Ihnen bewerben“-Formular.
Im Großen und Ganzen ist das auch super – finde ich zumindest – denn die schwarzen Schafe sollen ja recht weit verbreitet sein.
In wieweit es sinnvoll ist, einer Neuarbeitslosen mit fraglicher Arbeitstauglichkeit – nämlich mir – eine Stellenbeschreibung zukommen zu lassen, bevor etwaige Fragen abgeklärt werden konnten, bleibt fraglich.

Natürlich wollte ich brav sein und bereitete mich auf die Bewerbung vor. Da mir der Name der Ärzte nichts sagte, habe ich einmal im Internet nachgeschaut. Eigentlich hatte ich auf eine Website der Praxis gehofft, um so die Fachrichtung, Einrichtung und anfallenden Arbeiten abschätzen zu können. Leider (oder zum Glück) geht die Praxis noch nicht mit der modernen Zeit und so blieb mir nur Jameda. Von diesen Portalen halte ich normaler Weise nicht viel, aber gerade schriftliche Kommentare finde ich interessant.
Und tatsächlich wurde ich fündig.
In sage und schreibe 7 Kommentaren (von insgesamt 10) wurde äußerst farblich berichtet, dass die Ärzte ihre Angestellten vor den Patienten kritisieren. Mehrmals wurde auf den anfallenden Ton angespielt.

Ich habe beschlossen mich nun nicht zu bewerben. Bzw. hätte ich das getan, wenn ich denn die Wahl hätte.
Also habe ich die Bewerbung nun auf die Stelle angepasst und zwar so, dass es eine gute Bewerbung ist. Wenn sie denn nicht auf billigen Recyclingpapier gedruckt worden wäre. Oder wenn die Zeugnisse nicht in schwarzweiß gedruckt worden wären. Oder wenn die Unterlagen in einer Bewerbungsmappe liegen würden und nicht lose im Umschlag. Zusätzlich habe ich das alte Bewerbungsfoto benutzt (ja, dass, was fast 10 Jahre alt ist).
Und um ganz sicher zu gehen, dass niemand auf die Idee kommt, mich einzuladen, habe ich einen entsprechenden „Halte keinen Druck aus“-Absatz in besserer Formulierung eingefügt. Sollte ich doch zum Bewerbungsgespräch geladen werden, da sich kaum jemand bewirbt (was ich mir vorstellen kann), werde ich meine Stressunverträglichkeit auch dort verlautbaren lassen.

Gar nicht mal so einfach eine Bewerbung auf schlecht zu machen, ohne dass es zu sehr auffällt.
Denn: ich will ja einen Job. Ernsthaft. Aber ich will in keiner MFA-Verbrennungsfabrik tätig sein.

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5 Gedanken zu “„Bitte bewerben Sie sich bei X“

  1. Da wär jetzt die Frage: Bist Du offiziell wieder arbeitsfähig?

    Ja, ganz schön schwer, was absichtlich schlechter aussehen zu lassen, als es ist!

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    1. Soll mir recht sein. Ich bin mir dessen auch durchaus bewusst und ich stehe solchen gezielten „Nehmen sie mich nur nicht!“-Bewerbungen eigentlich auch kritisch gegenüber.
      Ich bin aber nun mal aus gesundheitlichen Gründen erwerbslos geworden und sehe nicht ein, mich auf einen Job zu bewerben, der mich in Windeseile wieder in die Situation bringt. Frührente wollte ich nämlich eigentlich auch noch nicht beziehen. 😉
      Noch sind die mich betreuenden Arge-Angestellten da auch noch verständnisvoll… wie lange das dauert, weiß ich natürlich nicht. Mittlerweile sind nebenbei auch Bewerbungen im Umlauf, die nicht gezielt auf „schlecht“ getrimmt sind. Ich hoffe also, dass ich nur in dieser einen Situation schwarzes Schaf bin. 😉

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      1. Ich finde, diese Art Bewerbungen machen eine in keiner Weise zum schwarzen Schaf.

        Diese dauernden Drohungen mit Leistungsentzug verschieben logischerweise die Motivation: Bewerben, um den Job zu bekommen -> bewerben um nicht sanktioniert / gesperrt zu werden. Das ist derart normal und eigentlich zwingend, daß sich da niemand drüber beschweren darf, wenn man gleichzeitig die Sanktionen befürwortet. Viele clevere Erwerbslose machen es schon so: Fake-Bewerbungen fürs Jobcenter, ernstgemeinte Bewerbungen heimlich nebenbei 😉

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