Gelesen: Slated

Slated ist eine Dystopie-Trilogie. Anders als klassische Dystopien ist hier aber hauptsächlich nur England bzw. Großbritannien ohne Irland betroffen. Was im Rest der Welt so geschieht, bleibt aber zum Großteil unerwähnt – es wird nur ab und zu angedeutet, und erst im Epilog des letzten Bandes wird ein Detail deutlich angedeutet. Das ist aber auch nicht weiter tragisch.

In einer nicht allzu fernen Zukunft kommt es in England zu Aufständen, die hauptsächlich durch Studenten verursacht worden sind. Durch die Einmischung von diversen Banden und dem skrupellosen Vorgehen der Polizisten, kommen etliche Leute ums Leben. Als die Aufstände beendet sind, werden die überlebenden Studenten inhaftiert und zu Tode verurteilt. Da viele dieser Menschen noch Minderjährig sind, überlegt die große Koalition, die zur Zeit an der Macht ist, eine andere Methode um jugendliche Straftäter zu bestrafen. Eine Ärztin entwickelt daraufhin Slating. Dabei werden Nervenbahnen des Gedächtniszentrums durchgeschnitten, ein Chip ins Hirn und ein spezielles Armband – das Levo – implantiert.
Die Jugendlichen haben nun alles vergessen. Sie können nicht mal mehr laufen oder selbstständig essen und müssen alles neu lernen. Gleichzeitig protokolliert der Chip die hormonellen Veränderungen im Hirn, wobei er sich auf Wut, Angst, Fröhlichkeit und ähnliche Gefühle konzentriert. Je nachdem welche Gefühle vorliegen, sendet er an das Levo ein Signal, der dann eine Skala zwischen 1 bis 10 anzeigt. Eins sind dabei negative Gefühle wie Wut oder Angst und 10 positive Gefühle wie Liebe oder Freude. Sinkt diese Skala unter einen fixen Wert, vibriert das Levo als Warnung. Sinkt der Wert noch weiter, bekommt der Jugendliche Krämpfe oder wird ohnmächtig. Sogar sterben kann er. Deswegen sind geslatede Menschen dazu angehalten, immer fröhlich zu sein.
Da aber durch die Nervendurchtrennung auch der eigene Wille weitestgehend unterdrückt wird, benehmen sich dich meisten Slater wie stets lächelnde Zombies, die alles haargenau so machen, wie man es ihnen sagt.

Etliche Jahre später steht Kyla vor ihren großen Tag. Sie soll aus dem Krankenhaus entlassen werden und zu einer neuen Familie gebracht werden. Sie wurde geslated und kann sich an nichts mehr aus ihren Vorleben erinnern. Damit sie entlassen werden kann, muss sie einen Vertrag unterschreiben, der sie bis zum Beginn des 22. Lebensjahr dazu verpflichtet, in dieser Familie zu leben, immer das Beste zu geben und niemals nach der Vergangenheit zu forschen. Sie hat keine Wahl, sie MUSS unterschreiben. Denn wer weiß, was passiert, wenn sie es nicht tut?
Doch Kyla ist anders. Sie träumt. Und in der Nacht fällt ihr Levolevel stets gefährlich ab. Sie lernt dies durch Laufen zu entkommen, denn die Endorphine, die dabei ausgeschüttet werden, können die Ängste und schlimme Träume kompensieren. Doch auch sonst unterscheidet sie sich von den anderen Opfern. Denn sie ist kein Zombie. Sie hat einen eigenen Willen. Und ihre Träume werden immer mysteriöser. Und dann entdeckt sie, dass ihre neue Eltern Geheimnisse vor ihr haben. Und was will Dr. Lysander, die das Slating einst erfunden hat, denn bitte von ihr? Als sie dann eines Tages durch Zufall herausfindet, dass sie Links- statt wie bisher angenommen Rechtshänderin ist und das unbestimmte Gefühl hat, dass das NIEMAND wissen darf, ist ihre Neugierde endgültig geweckt. Wer war sie vor dem Slating? Was hat sie angestellt, um geslated zu werden? Warum träumt sie ständig von einer Eule? Warum hat sie solche Angst vor den Mann mit den stechendblauen Augen, der seit neusten an ihrer Schule unterrichtet? Warum fühlt sie sich so seltsam, wenn es regnet? Wer ist Kyla wirklich?

Im ersten Band (Gelöscht) geht es vorrangig um Kyla direkt nach dem Slaten. Die Welt wird vorgestellt, die Bedrohung durch die Lorder – die Nachfolger der Polizisten mit wesentlich mehr Macht – wird aufgebaut, Slating als moralisches Dilemma vorgestellt. Tausend Geheimnisse werden gezeigt aber nicht gelöst. Kyla erfährt einen Namen, den sie früher getragen hat und doch hilft ihr das nichts, denn irgendwas stimmt nicht.
Das Buch ist spannend und macht neugierig. Da wirklich kaum ein Rätsel gelöst wird, will man auch die anderen Bänder lesen. Kyla selbst nervt dabei durch ihre Naivität und Kurzsichtigkeit. Ein Ergebnis des Slatings, wie man deutlich später erfährt… bzw. was einem dann klar wird.

In Band zwei (Zersplittert) geht es um ihr Leben zwischen den 10 und 15. Jahr, alles davor liegt weiterhin im Nebel. Danach wurde sie erwischt und geslated. Hatte sie sich wirklich mit 10 Jahren den Terroristen angeschlossen? Der charismatische Nico zumindest behauptet das. Man erfährt, warum Kyla so anders ist – und die ganze Zeit fragt man sich warum. Kyla nicht. Kyla stolpert einfach immer so weiter durchs Buch. Das nervt total, weil sie kaum etwas hinterfragt. Und als sie es dann doch tut, ist es fast zu spät. Das Band ist dadurch unheimlich schleppen. Ich habe fast zwei Wochen daran gelesen, weil ich einfach keine Lust hatte weiter zu lesen. Aber ich wollte endlich die Lösungen erfahren und habe mich durchgequält.

In Band drei (Bezwungen ODER Vernichtet – das Band wird unter zwei Titelnamen geführt) weiß sie dann schon mehr. Sie weiß warum sie bei den Terroristen war. Doch nun will sie wissen, was war, bevor sie 10 wurde. Und als sie ihre leibliche Mutter endlich findet, kommen noch mehre Geheimnisse. Noch mehr Rätsel. Kyla weiß nun gar nicht mehr, wer sie wirklich ist. Ständig muss sie fliehen. Vor den Lordern, die sie unerbittlich jagen. Vor den Terroristen, die sie umbringen wollen. Doch im Laufe des Buches kommen sie, die Lösungen. Die Reihe wird ja auch immerhin beendet, wäre also schlimm wenn nicht.
Im Gegensatz zum Vorband ist dieses Buch wieder spannend. Ich konnte mich kaum von den Seiten trennen. Einige Sachen kann man bereits im Voraus erraten – aber zumindest ein Geheimnis, nämlich WER IST KYLA WIRKLICH? hat mich in der Auflösung dann doch überrascht.

Wer gerne Dystopien mag, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen. Es ist mal was anderes als Panem und co. Band 1 und 3 sind wunderbar geschrieben – Band 2 muss man halt durch, denn sonst bekommt man vieles nicht mit. Und ehrlich? Ganz so unwahrscheinlich ist das Ganze nicht mehr. Nur nur die Pseudodemokratie sondern auch der Eingriff in die Persönlichkeit. Das Gefangensein am Levo. Auch wenn vieles davon natürlich Fiktion ist, so bewegen wir uns immer mehr in die Richtung Gläsern sein. Und Terri Terry fängt das wunderbar und ungemein spannend ein.

Hier geht es zu Band 1.

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