Mutters Eier

Passend zu Ostern gibt es Ostergeschichten!

Bei meiner Familie ist es Tradition, dass meine Mutter die Eier färbt. Je nach Verfügbarkeit mussten dann zwar die Zecke oder ich helfen, aber notfalls macht sie das auch alleine. Dabei geht sie immer nach den selben Prinzip vor. Eier kochen, Nahrungsmittelfarbsticks in mehrere große Gläser Wasser auflösen, gekochte Eier dazu, wieder rausnehmen und mit Speckschwarte einreiben. Fertööög. Als wir Kinder noch klein waren, haben wir dann auch mal welche mit Eiermalfarbe angepinselt – aber wirkliche Variation gab es nie.

Das Ganze hat aber gedauert. Mutter gibt sich nämlich nicht mit ein paar Eier zufrieden, sie färbt direkt achtzig. Meine Großeltern haben glücklicher Weise Hühner, wie das auf dem Land nun mal üblich ist, aber die armen Viecher können gar nicht so viele Eier legen. Und meine Oma mag doch bitte auch färben. Also musste Mama immer eine ganze Menge Eier kaufen. Das fiel natürlich D-Mann #1 auf – und versuchte ihre Eierfärbenmanie etwas einzudämmen.
Aber sie lies das nie zu. Sie wollte das immer gerecht machen. Jedes Kind soll 20 Eier haben – und sie wolle sie als Eltern da ja auch nicht außen vor lassen und um es gerecht zu machen, müssen eben auch 20 Eier ran. Pro Person.

Etliche Jahre später gab es diese Diskussion nochmal. Da war ich schon seit 5 Jahren nicht mehr zu Hause – was will sie also noch 80 Eier kaufen? Lange konnte sich Muttern mit „Aber wenn sie dann doch kommt…?“ retten, aber so wirklich zog das irgendwann nicht mehr – und sie durfte nur noch 60 Eier färben. Das deprimierte Mama wirklich. Ich vermute dahinter auch den wahren Grund, warum mein Bruder nicht bei den Eltern auszieht: er darf wegen der Eier nicht. 😀

Aber zurück in die Vergangenheit. Meine Mama bestand bis zum Ende immer darauf, dass wir Kinder zu suchen haben. Und zwar draußen. Auch wenn es regnet, schneit oder hagelt. Dazu versteckte sie erst für mich, dann musste ich suchen – und es war demütigend mit 18+ durch den Garten zu krauchen und Eier zu suchen – dann wurde für Zecke versteckt und er suchte. Für ihn war das damals nicht so schlimm – er war acht.
Dabei versteckte sie auch immer brav 20 Eier pro Kind, damit es gerecht war. Sobald mein Bruder dann fertig war, versteckte sie nochmals. Und ehrlich… wenn das schon mir mit 18 peinlich war, was dachte dann wohl D-Mann #1 mit seinen über 40? Aber auch der musste suchen, da gab es keinerlei Gnade. Nur sie selbst… die suchte nie. Was aber zugegeben nicht an ihr lag sondern daran, dass wir uns strickt weigerten zu verstecken. Meinen Bruder konnte man die Sachen dann zwar durchaus in die Hand drücken, die er verstecken sollte, diese versteckte er dann aber in seinen eigenen Eierkörbchen. Also hat Mama das ganz schnell sein lassen.

Diese Tradition endete dann auf recht spektakuläre Weise. Da gab es zwar noch 80 Eier, aber ich war nicht mehr vor Ort. Mir wurde später erzählt.
Mama versteckte also 20 Eier für meinen Bruder und als sie zufrieden war, ging sie die Zecke hohlen. Der suchte. Und suchte. Und suchte. Und suchte. Und suchte. Und suchte. Er fand zwar die Schokolade und die elektrische Kleinigkeit, die es jedes Jahr gab, aber keine Eier. Meine Mutter lachte sich ins Häuschen, weil ihre Verstecke so gut waren. Als Zecke dann aufgab, ging sie zu den Verstecken um die Eier zu hohlen. Nur das da keine Eier mehr waren.

Dafür kam da Cerberus um die Ecke. Damals war sie noch kein Jahr alt, es war also ihr erstes Ostern. Mit Entsetzen stellte Mama fest, dass an Cerberus Schnauze Eierschalenreste klebten. BUNTE Eierschalenreste. Na jetzt ratet mal, wo die ganzen Eier waren!

Danach untersagte Mama alle Versteckereien. Sehr zur Freude von D-Mann #1 und Zecke, der wegen der Pubertierei nun auch keinen Bock mehr auf Suchen hatte. Das war auch ein wirklich schlechtes Jahr für meine Mutter.

Warum?
Weil von den 80 Eiern sah es immer so aus:
D-Mann aß 5 bis 6, je eines am Tag. Zwei wurden ihn von Muttern unsersagt.
Zecke aß 10 am Stück und konnte dann erstmal keine Eier mehr sehen.
Ich aß gar kein Ei, weil ich mag gekochte Eier nur, wenn das Eigelb weich ist – aber die kann man wegen Salmonellen nicht lange genug behalten, gab es also niemals in gefärbter Version.
Abgesehen von den einem Jahr bekam Cerberus gar kein Ei.
Der Rest gehörte Muttern. Und sie verteidigte sie auf Leben und Tod! Spätestens sechs Tage nach dem Färben (Karfreitag!) waren immer alle Eier spurlos verschwunden. Nur diesmal nicht im Hundemagen.

Seit sie nur noch 60 Eier kaufen darf, liegt sie mir nun auch jährlich in den Ohren, ich möge doch bitte färben – und ihr die Eier zusenden. Ich weigere mich bisher standhaft. Ich mag Eierfärben nämlich nicht. Und solange ich keinen Klon meiner selbst habe – was hoffentlich nie passieren wird – sehe ich auch keinen Grund dazu. Mannmann feiert keine Feste mit christlichen Hintergrund und wüsste es daher eh nicht zu würdigen.
Vorgefärbte Eier aus den Supermarkt sind aber absolut tabu. Ich hab zwar mal überlegt, Mama genau die zu schicken – aber dann würde ich enterbt werden. Wenn das denn reicht.

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2 Gedanken zu “Mutters Eier

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