Schlaf

Seit Anfang des Jahres ereilt mich immer mal wieder eine besondere Art des Schlafes. Zu Beginn war es eine Nebenwirkung eines Antidepressivums, dass ich anschließend nach ärztlicher Rücksprache ab- und dafür ein anderes ansetze. Kurioser Weise war das erste Medikament ein Aufheller, der eher dafür sorgt, dass man zappelig wird und das zweite Medikament ein Beruhiger, der eben auch müde macht, weswegen ich es grundsätzlich vor dem Schlafengehen nehmen muss.
Alles kein Problem, damit kann man sich ja arrangieren und während ich unter den Aufheller massive Schlafrhythmusstörungen hatte, die sich kaum in den Griff bekommen ließen, habe ich unter dem zweiten ein halbwegs Schlaf-Wach-Gleichgewicht.

Dennoch kommt es immer mal wieder vor, dass mein Schlafbedürfnis wirklich massiv ist.
Dann schlafe ich schon im Nachschlaf Minimum 12 Stunden durch. Kein zwischendurch aufstehen, weil die Blase drückt, kein umdrehen mit kurzer Bewusstheit, die mir später in Erinnerung ist. Dann bekommt mich auch kein Wecker wach (5 Wecker in Abstand von 5 Minuten, die in voller Lautstärke mit verschiedenen Melodien losgehen und direkt neben meinen Kopf liegt – keine Chance, die klingeln durch). Irgendwann werde ich dann doch mal munter und fühle… nein nicht gerädert. Ich blinzel dann eher müde vor mich hin und will eigentlich gar nicht aufstehen. Oft mals döse ich dann auch nochmal eine Stunde weg, bevor ich mich dann endlich überwinden kann, das Bett zu verlassen. Danach bin ich fahrig, stehe leicht neben mir und wirklich irgendwas machen ist nicht drin, weil einfach die Energie fehlt.

Wirklich lange wach bin ich auch nicht. Von Minute zu Minute werde ich immer weiter müde. Bis ich mich dann nach etwa zwei Stunden einfach nicht mehr wach halten kann. Versuche ich es, schlafe ich nach ca. 10 Minuten an Ort und Stelle ein. Zum Glück war ich dann immer zu Hause und konnte mich ins Bett verkrümeln.
Der Schlaf der mich dann ereilt, ist wirklich alles als angenehm. Er ist halb Schlafstarre, halb luizid und alles andere als erholsam.
Das äußert sich dann immer dadurch, dass ich mir im Traum recht früh bewusst bin, dass ich träume – aber ich kann ihn auf Teufel komm raus nicht beeinflussen. Nicht schlimm, wenn es ein angenehmer Traum ist… aber das ist er selten. Jeder Versuch, wach zu werden, um den Alb zu entkommen, sorgt dafür, dass ich meine Augen öffne – aber weiter träume. Das äußert sich darin, dass ich versuche meinen Körper zu bewegen, das aber nicht schaffe – da der in der Traumlähmung ist, was vollkommen normal ist. Nur man ist sich das in der Regel nicht bewusst – man träumt ja. Insgesamt ist diese Körperlähmung eine Schutzfunktion, da unser Körper sonst genau das machen würde, von was wir träumen. Setzt die Lähmung nicht korrekt ein, haben wir einen Schlafwandler.

MEin Problem ist jetzt: Körper denkt ich schlafe noch, also lässt er den Körper in der Lähmung. Ein großer Teil des Gehirns ist der Meinung ich schlafe – darunter das Unterbewusstsein und ein Teil weiß, dass ich wach bin. Dazu gehört das Sehzentrum sowie das Bewusstsein. Man möchte jetzt meinen, dass das besonders toll ist und man auf Sachen Zugang hat, auf die man sonst nicht zu greifen kann. Vielleicht ist das auch so – wenn man den Traum unter Kontrolle bekommt. Tut man aber nicht. Viel schlimmer: man halluziniert. Wenn es gut läuft, sehe ich Mannmann, der ins Zimmer kommt, etwas sagt (was ich nicht höre) und wieder geht. Manchmal rüttelt er auch an mir rum, was ich zu fühlen meine. Aber: Mannmann ist auf Arbeit und gar nicht in der Lage zu mir zu kommen. Wenn es schlecht kommt, sehe ich das, was der Albtraum mir vorher impliziert hat. Nur das ich nun nicht flüchten kann, weil ich da ja starr auf dem Bett liege und das, was einen so Angst einjagt, kann mit dir machen was es will. Das ist überhaupt nicht lustig, das ist absolut beängstigend. Viel viel viel schlimmer als nur der Albtraum. Aber man wacht nicht auf. Es geht einfach nicht. Da kann man machen was man will.
Nach wenigen Sekunden bis Minuten schlafe ich dann zum Glück wieder ganz ein – der Zustand kann auch stundenlang andauern – und bin wieder im kompletten Traumzustand, wo ich wieder fliehen kann. Nur: auch hier wieder wird mir schnell bewusst, das ich träume, bekomme keine Kontrolle, öffne wieder die Augen und dann liege ich wieder da und das scheiß Ding ist immer noch da. Und das passiert etliche Male, während des gesamten Schlafes.

Irgendwann wache ich dann wirklich, so richtig auf. Das hat für mich aber eher das Gefühl aus der Bewusstlosigkeit aufzuwachen anstelle des Schlafes. Ich kann das nicht richtig Beschreiben… meistens nehme ich einfach nur eine Dunkelheit und Tonlosigkeit wahr, da ist kein Gefühl nichts. Nach und nach schalten sich dann alle Sinnesorgane ein. Erst höre ich was (meist das Rasuchen des Blutes im Ohr, dann Geräusche in direkter Nähe und dann auch die von der Straße), kurz danach spüre ich dann auch wieder die Decke oder meine drückende Blase, bekomme ein pelziges Zungengefühl, registriere meinen trockenen Mund und das nasse Kissen (ich schlafe in solchen Momenten immer mit offenen Mund und da fließt dann halt der Speichel raus). Dann fange ich an zu denken. Erst ganz ganz ganz ganz leise, bis es dann wieder die normale Denklautstärke bekommt. Und erst wenn ich mir meiner wieder vollkommen bewusst bin, kann ich meine Augen öffnen.
Und dann? Dann bin ich wach. So wirklich. Dann kann ich wieder stundenlang nicht schlafen, stecke voller Energie und so.

Ein weiteres Phänomen:
Ich habe das Zeitgefühl komplett verloren. Schon bei der ersten eigentlichen Traumstarre bin ich im Hintergrund der Meinung, das Stunden vergangen sind. Auch die Zeit zwischen zwei Traumstarren kommt mir unglaublich lang vor. Wenn ich dann endlich wieder wach bin, bin ich daher immer der Meinung es sei der nächste Tag. Dabei habe ich nur eine halbe Stunde geschlafen. Maximal.

Ich mag diese Träume nicht – Traumstarren kenne ich auch schon länger von mir, aber nicht in dieser Häufigkeit pro Schlaf – oder mit dieser hohen Wiederhohlungsrate. Die Intensität hat sich nicht verschlimmert, auch wenn ich früher nicht immer halluziniert habe – ich habe dann nur wahr genommen, dass ich mich einfach nicht bewegen kann. Egal wie sehr ich es versucht habe. Aber jetzt sind die optischen Halluzinationen eher die Regel und dummer Weise immer auch in einer eher unangenehmen Atmosphäre.
So wirklich habe ich den Auslöser auch noch nicht gefunden. Psychischer oder Körperlicher Stress, andere Tagesrhythmen, andere zur-Bett-Geh-Rituale… es lässt sich davon nicht beeinflussen.

Nebenbei:
Wenn es ganz dicke kommt, dann löst das ganze auch noch einen Clusterkopfschmerz aus. Schlaf ist nämlich mein Trigger dafür. Der schlägt zwar nur selten wirklich zu – etwa einmal im Jahr – aber Clusterkopfschmerzen sind die Hölle. Stellt euch eine 3-Tages-Migräne auf, deren gesamter Schmerz auf eine Stunde komprimiert wurde. Cluster dauern nämlich nicht lange, sind aber umso heftiger. Schmerzmittel sind sinnlos, da der Schmerz von alleine schwindet, wenn die ihre Wirkung entfalten. Schnelle Mittel haben mir bisher nicht geholfen und da ich Cluster so selten habe, habe ich die auch nicht wirklich im Haus. Das einzige was helfen kann, ist viel, viel, viel trinken. Dumm, dass die Bewegung des trinkens den Cluster schlimmer werden lässt, wodurch ich meist mit Strohhalm trinken muss – wobei die Drücke, die dadurch auch im Körper entstehen, nicht gut tun. Ich bin jedenfalls immer froh, wenn sie wieder nachlassen.
War zum Glück dieses Mal nicht so. Wobei ich den Cluster dieses Jahr auch schon hatte, damit also das Soll bereits erfüllt habe. Bitte nicht mehr. Danke.

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3 Gedanken zu “Schlaf

    1. Wenn man keine Ahnung hat…
      Daran ist nichts neurotisch:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafparalyse

      Und nein, dagegen kann man nichts tun. Auch wenn eine akut auftretende Traumstarre nicht gerade angenehm ist, so ist sie auch in meinen Fall nicht so schwerwiegend, dass es medikamentös behandelt werden sollte. Letztendlich ist es nicht schlimmer als ein besonders schlimmer Alptraum. Tust du etwas gegen einen Alptraum ohne direkten Bezug auf Ereignisse deines Lebens? Bestimmt nicht. Ach ich kann nicht-medikamentös dagegen angehen, in dem ich darüber rede oder schreibe? Hrm. Habe ich mit dem Artikel getan. Sowas aber auch!

      Auch der Cluster hat nichts mit der Neurose zu tun. Möchtest du das abstreiten, dann darfst du auch Migränen und Spannungskopfschmerzen dazu sortieren.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Cluster-Kopfschmerz

      Wenn du mit Neurose meine Angststörungen meinst: Ja, da hast du Recht, das gehört irgendwie zu den Neurosen. Aber was hast du erwartet, wenn du auf einen Blog einer Person mit Angststörungen, der u.a. zu Therapiezwecken genutzt wird, liest? Jetzt ehrlich? „Hallo, nehmt diese Hammertablette, damit bin ich sooo happy“ oder „doch lieber hier die Schüsslersalze, Glaubuli und anderen Fokuspokus!“?

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  1. Oh, so Traumstarren hatte ich auch schon, ohne Medis. Quasi wach sein, merken, dass man träumt und ich nicht bewegen kann und das wie blöde versucht. Ich wache dann irgendwann auf, völlig durchnässt vom Schweiß der Anstrengung, mich irgendwie bewegen zu wollen. Und bin anschließend völlig fertig. Kommt aber GsD nicht allzu häufig vor.

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