Aus der Traum

„Was essen wir denn über Ostern?“, fragt der Mannmann.
„Ääääh… Knoblauchtomaten?“, meinte ich voller Hoffnung. Das Zeug schmeckt geil!
„Nicht mehr vor Weihnachten!“
Ich grummelte ein wenig vor mich hin, schnabte mir mein Ofenkochbuch und zeigte auf das nächste, supereinfache, superleckere, kann-ich-schon-Gericht.
„Nichts was du schon mal gemacht hast!“, kam direkt die nächste Anweisung.
„WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?!“ Ich hasse es neue Sachen zu kochen. Aber er lies sich nicht erweichen. Leider fand ich in meinem Buch nichts, was mir anstand oder einfach zu machen war. „Was willst du denn?“, fragte ich hoffnungsvoll.
„Ich sag nichts dazu. Du hast meine Auflagen, denk dir was aus!“
Y.Y

Ich klickte dann unmotiviert durch den chefkoch. Irgendwas war immer. Entweder was, worauf ich keinen Hunger hatte, der Hauptbestandteil vertrug sich mit meiner Verdauung nicht, 3 Stunden Vorbereitungszeit, hatte ich schonmal gemacht etc. pp. Die Bessere wusste auch nichts bzw. meldete sich nicht.
Nächster Versuch war dann mein „Sieht lecker aus, muss ich mal machen!“-Geheimecke. Da hab ich bisher nichts raus gekocht und ich fand das irgendwann mal lecker – also dürfte ich da doch was finden. Und Tatsache fand ich einen Schweinekrustenbraten, den ich mal durch Zufall über eine Nichtkochseite gefunden hatte und noch zurückgehalten hatte, weil es da erst Schweinekrustenbraten gegeben hatte.

Aber wäre damit die Auflage dann erfüllt?

„Wenn ich etwas koche, was wir mit anderen Rezept schon mal hatten, ist dann das was neues?“, fragte ich über Hangouts und noch während ich schrieb, was es denn war, kam die Antwort:
„Nein.“ Fast zeitgleich schickte ich dann aber das Wort „Schweinekrustenbraten“. Irgendwie kam direkt danach ein „Ja, das ist was neues.“

Schlingel!

Das Rezept war jetzt auch nicht so schwer. Ein paar Äpfel, Schalotten, Senf, Schwarzbier, Salz, Klöse… bekomm ich hin. Mannmann gleich noch nach der Sorte Schwarzbier gefragt, da ich selbst ja nicht viel Ahnung davon hab und die gewünschte Sorte notiert. Anschließend noch die Menge verdreifacht, weil es soll ja vier Tage reichen. Ich befürchte aber, dass das so laufen wird wie mit den Rouladen (die waren am Folgetag alle und Mannmann jammerte, er wäre ja so dick geworden…).
Heute dann also für meine Verhältnisse recht früh gen Nichtreal gewandert. Was. ein. Gedränge. Haben die sich alle frei genommen?! Es war 10 Uhr!

Mit etwas Geduld, lauten Knurren und unhöflichen rumrempeln mit den Wagen (die stellten die Wagen quer in die Gänge! QUER! Damit da auch ja niemand durchkommt! Da werd ich voll aggressiv Alter!) bekam ich auch erst mal alles, was ich wollte.
Dann kam ich an die Fleischtheke. Meine geliebt Fleischtheke. Meine hat immer alles Fleischtheke.

Fisch: abgedunkelt. Käse: hier und da noch ein missachteter Rest, angespannt lächelnde Verkäufer dahinter. Wurstabteilung: Ein Schlachtfeld. Fleischtheke: da stand noch das eine oder andere, aber weniger als die Hälfte als sonst üblich. Mitarbeiter? Gestresst, gehetzt, genervt, mit sichtlicher Angst in den Augen, weil der Ansturm nicht aufhörte. Die Angebotstafel (vier riesige Tafeln, wo die Angebote des Tages mit Kreide aufgeschrieben werden), fast leer. Entweder weggewischt oder eiligst durchgestrichen.
Trotzdem ging ich todesmutig zum Fleischthekenchef.
„Was darf ich denn für Sie tun?“ Er griff schon in Richtung Lamm. „3kg Schwein mit Schwarte!“. sagte ich eiligst. Er stutzt. Sein Lächeln wird ehrlich.
„Sie sind die erste, die diese Woche was vom Schwein will!“ Ich freue mich. Dann haben sie ja noch was! „Deswegen haben wir auch nichts bestellt.“ Gesicht entgleist.
„Äh… aber… ich bestelle Ihnen was zu Samstag… Frau Unsozial richtig. Ihr Freund bestellt ja auch gern mal was. Gleiche Telefonnummer?“ Wieder Gesicht entgleist, diesmal wegen Paranoia. Sah er mir scheinbar an. „Sie sind eine gute Kundin! Wir kennen Sie!“ Ich sollte dort echt nicht so oft teures Fleisch kaufen gehen. Aber… gut… ich sagte zu und so darf ich meinen Krustenbraten eben Samstag machen. Aber was mache ich denn dann morgen…?
Chefe schien das auch durch den Kopf zu gehen… Muss ja nun was sein, dass man an einem Tag essen kann. Ich studierte die Reste der Tafel und fand was. „Ich hätte dann bitte 1kg argentinisches Rindsteakfilet!“
„… Sehen Sie, genau wegen so etwas wissen wir sehr genau, wer Sie sind!“
Verdammt!
Zugegeben… wenn man als 1 Tages-Ersatz ein nicht gerade billiges Fleischstück will, dann würde sogar ich mir das Gesicht merken. Aber immerhin… im Vergleich zum eigentlichen Preis dieses Fleisches habe ich immer noch 20€ gespart. Wir verabschiedeten uns dann bis Samstag.

Beim bezahlen habe ich dann fast vergessen den Einpackjungen sein Trinkgeld zu geben. Ich mag die. Ich werf nämlich alles so in die Tüte, wie ich denke und nur das, wo ich denke, es wäre zerbrechlich, kommt oben drauf. Die wissen aber was sie tun und legen das, was wirklich zerbricht, zermatscht oder anders leidet oben auf. Und sie hören auf Kommandos, wie „Die Flaschen bitte noch nicht einpacken, die kommen in den Rucksack!“ (den rück ich nicht raus) oder „Bitte beide Beutel gleich schwer machen, ich trag die nach Hause!“ – klappt. Immer. 🙂 Also bekommen sie auch immer Trinkgeld. Punkt!
Mannmann habe ich dann mitgeteilt, dass er das Ersatzfleisch bezahlen muss, ich dafür den eigentlichen Braten übernehme. Und er müsse morgen braten, weil er kann das besser.
Als er realisierte, dass ich Filet und kein Entrecote gekauft hatte, stimmte er mir zu. Und ich glaube er sabbert jetzt schon danach.

Advertisements

5 Gedanken zu “Aus der Traum

  1. Interessant, wie sich die Dinge zwischen uns auch mal unterscheiden. Du scheinst ja Einpackjungen zu mögen. Für mich wären die ein Grund, einen solchen Markt zu meiden. Zuviel persönlicher Kontakt und zu bedienende Erwartungshaltungen anderer.

    Gefällt mir

    1. Das Problem hatte ich anfangs auch. Nichtreal hat den Service noch nicht lange und bietet ihn auch nicht immer an. Man kann es also auch vermeiden. Aber als ich das erste mal drauf gestoßen bin, wusste ich auch nicht so recht, was das soll. Bis auf die Schnellkasse standen überall Einpacker und ich hatte zu viele Artikel für die Schnellkasse.
      Also habe ich beim Warten an meiner Kasse die anderen Leute beobachtet, wie die sich verhalten. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Kerle sowohl bei einem Ja als auch bei einem Nein (sie boten es erst freundlich an) nett blieben – aber bei einem nein anfingen die Leute zu studieren, wie die ihre Ware einpackten. Das fand ich ja noch unangenehmer. Aber wenn sie einpackten, hatten sie dafür gar keine Zeit!
      Also hab ich ja gesagt. Und mit der Zeit habe ich den Service zu schätzen gelernt und hab auch keine Angst mehr vor den Jungen. Passierte ja nie was schlimmes, war ja sogar eher angenehm.

      Und den Nichtreal kann ich leider nicht umgehen, alle anderen größeren Märkte und Fleischer sind zu weit weg. Ich hab hier also nur meine Therapie mal ordentlich anwenden können (Vermeidung vermeiden und sich der Situation stellen).

      Gefällt mir

  2. Uh, Einpackjungen. Muß ja ein interessanter Markt sein, dein NIchtreal.

    „Knoblauchtomaten!“ – LOL. Da dürfte dein MannMann nach 2 Tagen vom Stängel fallen, vermute ich 😉 Und wieso ein Schweinekrustenbraten nach einem anderen Rezept was Neues sein soll, erschließt sich mir nicht. Vielleicht setzt die Logik bei seiner Lieblingsspeise irgendwie aus, vermute ich mal …

    „Sehen Sie, genau wegen so etwas wissen wir sehr genau, wer Sie sind!“ – Überwachung ohne Überwachung! Datenschutz!!!1!!11 Ich glaub, ihr hinterlaßt zuviele Spuren dort in dem Markt 😛

    Und außerdem: heut ist Feiertag, und dann folgen noch recht schnell zwei weitere. Da geht die Welt unter, da muß man für mehrere Jahre einkaufen – deshalb hatten die am Donnerstag auch alle frei. Ich bin leider auch 2 Stunden früher los, ging nicht anders. Und fast umgekommen an der Kasse. Und dann noch so ein nettes Erlebnis im lokalen Netto gehabt …

    Frohes Kochfest morgen!

    Gefällt mir

    1. Der hat die Knobitomaten mehrmals genauso weggespachtelt wie ich. Auch wenn ich beim ersten Mal nicht einberechnet hatte, dass unsere Knoblauchzehen Okylten in der Größe einer Knoblauchknolle sind und entsprechend genauso viele Zehen verwendet habe, wie im Rezept stand. Das hat man uns deutlich angerochen.
      Aber da wir beide gerne Knoblauch essen, stört es zumindest untereinander nicht.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s