Reminder: Lockwood & co

Warnung: Der Artikel enthält immer mal wieder geweißte Textstellen. Diese stellen Spoiler dar. Also nicht markieren, wenn ihr euch nichts vorweg nehmen wollt. Um diese besser sichtbar zu machen, sind nur der Anfang des ersten Satzes zu lesen.

Wer gerne Fantasy liest und auch Büchern in der Jugendabteilung nicht abgeneigt ist, wird früher oder später schon mal auf Jonathan Strauds Bartimäus-Reihe gestoßen sein. Wer nicht, darf das gerne nach hohlen, die Bücher sind es wert.

Lange war es dann still um den Autor und andere Bücher rückten in meinen Mittelpunkt, bis ich vor ein paar Monaten im örtlichen Buchladen #1 stand und ein Buch mit recht interessanten Einband sah. Gegriffen, Beschreibung durchgelesen und hrmmmmm gedacht. Der Titel sagte mir gar nicht zu, die Beschreibung eher lala aber der Autor… den kennst du doch…? Ich und mein schlechtes Namensgedächtnis…
Da ich in Buchläden meine mir eigene Scheu verliere, bin ich also zum nächsten „Sieht aus als arbeitet hier“-Mensch gegangen, dessen Verhalten studiert – Buchhandelmitarbeiter verhalten sich anders als Buchhandelbesucher und der erfahrene Beobachter erkennt die gewissen Unterschiede – noch näher geschlichen und dezent geräuspert. Nix. Okay. Leise Hallo gesagt. Nix. Der Dame das Buch an den Kopf geworfen. Funktioniert. Hausverbot.
Nein im ernst. Nachdem ich ihre Aufmerksamkeit erlangte, fragte ich sie direkt, ob dies a) das erste Band der Reihe sei und b) woher ich denn bitte den Autoren kenne. Mir würde das nicht einfallen aber ich habe da dunkel was in Erinnerung. „Gute Frage.“, sagte die Mitarbeiterin. „Ich arbeite sonst nie in dieser Abteilung, bin sonst immer in der oberen Etage der Schlauen.“ Im Buchladen #1 gibt es nämlich eine Etage nur für Kunst- und Musikleute, Historiker und co. Da steht Quasi Goethes Faust in der Orginalfassung bevor er die Hälfte davon verbrannt hat. Oder so.
Sie sah trotzdem im Computer nach. „Der hat Bartimäus geschrieben. Die Reihe kenne ich, die hat meine Tochter im Regal stehen. Sehr zu empf… oh das wissen sie schon.“ Ich hatte auf einmal wohl dieses gewisse Glitzern in den Augen, das ich immer habe, wenn mein Gutes-Buch-Detektor anschlägt.
Leider war auch über den Computer nicht auszumachen, ob dieses Buch nun einer Reihe angehörte – was aber der doppelte Titelname vermuten lies – und wenn ja, ob es nun Band eins war. Da die Bücher alle eingeschweißt waren, wollten wir das auch nicht drinnen nachsehen. Aber da rannte die Mitarbeiterin schon zur Chefin des Ladens. Die arbeitete sehr wohl in der Abteilung und konnte mir sagen, dass es leider Band 2 war. Enttäuschtes Gesicht. Ein weiteres Buch von Stroud hatte ich nämlich nicht gesehen. Aber so nicht die Chefin. Wir sind hier ja nicht umsonst in Buchladen #1! Sie verschwand dann im Lager und kam mit Band 1 wieder. Juchu!
Also Band 2 brav zurück gebracht und Band 1 gekauft. Im Augen-Glitzer-Modus bin ich nicht mehr zu stoppen. 😉

Nun war ich also im Besitz von
Lockwood und Co: Die Seufzende Wendeltreppe.
Das Buch ging auch gleich in die Vollen ging und startete mit einem katastrophalen Fall. Dann wurde erst mal vorgestellt und dann kam der zweite Fall und irgendwie war das Buch zu Ende und ich wollte MEEEEEHR. Buch zwei und drei waren schnell besorgt und weiter ging es.
Schockiert war ich dann, als Buch drei aus und die Reihe nicht beendet war. Eine schnelle Recherche ergab, dass das nächste Band frühstens im September 2016 erscheinen wird. Ich werd waaahnsinnig!

Aber mal langsam:
Um was geht es in den Büchern?
Seit nicht ganz einem Jahrhundert hat England ein Problem. Ein… BUHU… Geisterproblem. Wie aus dem Nichts sind sie erschienen und gehen um. Kommt man ihnen zu Nahe, wird man unter aller Wahrscheinlichkeit sein Leben verlieren. Dumm, das Erwachsene Geister nicht wirklich wahrnehmen können. Glück auf, dass es Kinder sehr wohl können. Dabei haben Einige besondere Gaben:
Die des Sehens, die des Hörens und die des Fühlens. Sind diese Gaben stark genug, fangen die Kinder oft bei sogenannten Agenturen an, deren Aufgabe es ist, die Besucher zu bannen. Jeder Geist hat nämlich seine Quelle, an die er gebunden ist. Mal sind es seine eigenen Gebeine, mal ein Schmuckstück, ein Stein oder gar ein Motorrad. Nein, ich spoiler hier nicht.
Die Agenturen schicken also die Kinder los – in Begleitung eines Betreuers, der in aller Regel als Kind ebenfalls als Agent unterwegs war und nun als Erwachsene seine Gabe verloren hat – die Quellen ausfindig zu machen und unschädlich zu machen. In der Regel geschieht dies durch Verbrennen – z.B. bei Gebeinen – oder auch durch verplompen – meist durch Silber.
Die Geister attackieren sie dabei durch übernatürliche Erscheinungen, Eishauch, Miasma, Geistersieche und das, was ich immer vergesse. Speziell die Geistersieche endet oft tödlich, wenn der Person nicht schnellstens Adrenalin gespritzt wird.
Die Agenten verteidigen sich dabei mit Silberdegen, Salz, Eisenspähnen, Leuchtbomben und ihrer Gaben.
Woher das Problem kam und warum es quasi von einem Tag auf den Anderen so schlimm geworden ist, weiß keiner. Aber England hat sich dem angepasst. Eine eigene Polizei, die für die Agenturen zuständig ist, mehr fließendes Gewässer in der Stadt (da Geister fließendes Wasser nicht überqueren können), Geisterlichter, Eisenstreben an Türen, Lavendelartikel (was die Geister auch nicht mögen) usw usf. Nein, hier ist nichts geheim. Alle wissen um das Problem.

Die Protagonisten gehören zur Agentur Lockwood und co, die sich dadurch auszeichnet, dass sie KEINEN erwachsenen Betreuer hat. Zu ihnen gehören der geheimnisvolle und charismatische Lockwood mit der Gabe des Sehens, die etwas impulsive und erzählende Lucy mit der Gaben des Hörens und Fühlens sowie der übergewichtige George, der zwar jede Menge Gaben besitzt aber diese – außer seinen Hang zur Recherche – selten zur Geisterjagd nützlich sind. Ab Band zwei kommt dann auch noch der Wispernde Schädel hinzu, der sich in einem Einmachglas befindet und mit Lucy schnattert. Meistens nervt er sie, selten ist er wirklich nützlich, amüsant ist er allemal. Zusätzlich kommt bei Band 3 auch noch Holy hinzu, die die perfekte kleine Lady ist, das Haus sauber hält und immer perfekt ist.

Nach dem katastrophalen ersten Fall, der direkt zur Einleitung des ersten Buches statt findet, sehen sich Lockwood und co gezwungen, einen Fall zu übernehmen, der sie schlicht zu überfordern scheint. Das Team ist bei weitem noch nicht eingespielt, es gibt Gezank, Streit und viel viel Todesgefahr. Zugleich fragt man sich, was wohl hinter dieser verdammten Tür bei Lockwood befindet, was George als Nächstes isst und wer nun der wahre Böse ist. Manche Antworten bekommt man, viele werfen viele Fragen auf, andere werden nicht wieder angekratzt. Das hebt sich Stroud für Band 2 oder 3 auf 4 auf. Eines kann ich direkt sagen: bisher weiß auch die Leserschaft nicht, woher die Geister auf einmal kommen, auch wenn in Band 2 eine Spur gelegt und in Band 3 diese tiefer getrampelt wird.

Lockwood und co erweißt sich in ihren Verhalten dabei immer ungewollt zerstörerisch. Sie wollen das nicht, es passiert einfach. Mal brennt ein Haus nieder, mal sterben Menschen und sogar ein ganzes Kaufhaus wird zerstört. Dennoch sind das herzensgute Menschen, ja Kinder, mit üblichen Problemen. Dabei wird Stroud niemals arg kindisch und rutscht in die „Boah nervt das“ ab. Besonders Lucy versteht man immer sehr gut – gut, aus deren Ich-Perspektive wird auch erzählt.
Wer schon an Bartimäus seinen Spaß hatte, wird das hier noch mehr haben. Kaufen. Lesen!

PS:
KEINE Affli-Links 😉

Und für mich als Reminder… ACHTUNG DICKER FETTER SPOILER, nicht, unter keinen Umständen und so lesen, bis man Band 3 durch hat!
Gigantischer Poltergeist im Kaufhaus, der durch Lucys und Holys Streit geweckt wird und dieses praktisch den Erdboden gleich macht. Dadurch entdeckt Lucy aber das Gefängnis unter den Arkaden und den scheinbar riesigen Knochenspiegel. Außerdem den Geist mit der Maske, der sich als Lockwood ausgibt und impliziert, das Geister auch die Zukunft sein können. Darauf hin kommen Lucy massive Zweifel und sie kündigt ihre Stelle mit sofortiger Wirkung bei Lockwood und co, weil sie Angst hat, ihren Freunden zu schaden. Das Buch endet an dieser Stelle.

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