Über was haben wir letzte Woche nochmal gesprochen?

Also mein Psychodoc ist ja schon toll. Besonders klasse, weil Patient und Doc sich in unserem Fall ergänzen. Meine Antwort auf seine – im Titel genannte – Frage lautete nämlich: „Hab ich auch schon überlegt!“

Wir haben dann beide darüber nachgedacht und kamen auf das Ergebnis, dass wir mehr über die aktuellen Entwicklungen, AfD und Wahlen gesprochen haben als über das eigentlich Thema – mich – und es daher auch keine Aufzeichnung über diesen Tag gibt. Auch schön.
Im späteren Verlauf fiel uns dann aber doch noch ein, dass wir auch „ernstere“ Themen angekratzt haben, wenn diese auch nicht ernsthaft besprochen wurden, weil wir dauernd wieder zu den anderen Thema abschweiften.

Nachdem das geklärt war, versuchte er das durch „Wie war ihre Woche?“ zu überspielen. Dabei kamen wir dann auf D-Hörnchen zu sprechen und er öffnete mir, was ihn angeht, so dermaßen die Augen. In all seiner Art ist D-Hörnchen nämlich voll unsicher und überspielt diese Unsicherheit, indem er sich bewusst sicher gibt. Grund für diese Annahme:
Ein sicherer Mensch könnte sich auf die Argumente des Anderen einlassen. Er könnte diese nachvollziehen und entsprechend darauf reagieren. Dabei muss die eigene Meinung nicht mal „geschädigt“ werden. Ein unsicherer Mensch mit pseudosicheren Stand wird seine Argumente über alle erheben, weil er sonst unrecht hätte – was seinen sicheren Standfuß „Ich weiß“ wegbrechen lässt. Er muss also seine Meinung, seine Argumente, seine Sichtweise auf teufelkommraus mit allen verteidigen, was ihm zur Verfügung hat.
Nebenbei: ein komplett unsicherer Mensch wird seine Meinung dem der anderen anpassen, um nicht aufzufallen und dadurch Sicherheit zu erhalten. Meinungsänderung, weil die Argumente einen tatsächlich dazu bewegen, zählt dazu nebenbei nicht. In Gewisser Weise gehöre ich zu dieser Gruppe – mit Hang zur Sicherheit, weil ich in manchen Fällen durchaus meine Meinung „behalten“ kann, trotz dessen das alle anderen eine andere Meinung haben.

Da hat Psychodoc einfach mal mein Weltbild in nur 10 Minuten erschüttert. Wahnsinn!
Der Vorteil für mich? Das Wissen darum ermöglicht es mir, D-Hörnchen zu verstehen. Wenn wir also mal wieder aneinander rasseln sollten, muss ich mir „nur“ daran erinnern, einen Schritt zur Seite machen und ihn an mir vorbei lassen. Psychodoc nennt das „Auf die Metaebene“ heben. Anstatt darüber zu streiten, worüber wir streiten, muss klar werden, wie wir… ährm… diskutieren. Psychodoc plädiert dabei auch noch die positive Ich-Perspektive. Anstatt also zu sagen „Du akzeptierst meine Ansicht nicht!“ soll „Ich empfinde meine Ansicht von dir nicht wahrgenommen!“. Das ist deutlich defensiver und anstatt das Gegenüber auf Krawall verteidigt, muss er zumindest darüber nachdenken, dass sein Verhalten eine Auswirkung auf den anderen hat. Hat der ja grad gesagt. Das gibt ihm die Chance aus seinem Schema F auszubrechen und mal was neues zu versuchen. Nimmt er das nicht wahr, kann man metaebenepisch den Abgang machen, in dem man „Dein Verhaltet tut mir weh, daher werde ich mich nun zurückziehen.“ oder so signalisiert und das durchzieht.
Das mit den positiven muss ich noch üben – das war schon öfter Thema, dass ich mich „gerne“ negativ ausdrücke. Ich sage also „Heute fühle ich mich schlechter als gestern“ anstatt „Gestern war ein supergeiler Tag!“. Oder so.

Jetzt hab ich aber erst mal zwei Wochen Psychopause. Der Doc macht nämlich Urlaub. Dann kann ich ja Metaeben üben. 😀

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